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Aus der Sicht von Avalora Dalaneira Sternenstaub

Lange hatte Avalora befürchtet, dass dieser Tag kommen würde. Nun war er da, und sie musste Abschied nehmen von zwei ihrer Dalanari. So machte sie sich auf den Weg von ihrem Quartier zum Mondbrunnen.

Avalora spürte sie, die düstere Stimmung, die an diesem Abend über der Mondfederfeste hing. Sie selbst hatte das Gefühl zusammenzubrechen, doch sie musste stark sein und Haltung bewahren. Sie war Soldatin, sie war Offizierin. Sie hatte in den Tagen vor der Zeremonie versucht, die Dalanari zu trösten. Ebenso hatte sie sich erneut in Arbeit gestürzt. Es gab einfach zu viel zu tun.

Sie schritt langsam nach vorne zum Mondbrunnen, wo bereits die Oberste Heilerin des Ordens – die Mondpriesterin Arilean Mondnebel – in der rituellen Priestergewandung stand. Avaloras Großvater, Dalanare Sternenstaub, stand ebenfalls bereits dort.

Auch die Druiden des Ordens hatten sich bereits versammelt und standen an den Seiten. Lediglich Nyhmriel, Rekrutin des Ordens, stand unterhalb von Arilean und Dalanare. Sie sollte den zweiten Teil der Zeremonie leiten.

Avalora nickte der Priesterin, ihrem Großvater und den Druiden kurz zu und nahm ihren Platz ein. Sie fühlte die Augen der versammelten Dalanari auf sich. Sie sah zu ihnen hin, zu den knapp 50 Soldaten. Dabei bemerkte sie auch, dass sich einige Schildwachen dazugesellt hatten. Auch die Ehrengäste bemerkte Avalora. Da waren Vertreter der Scharlachroten Faust, einige Mitglieder der Argentumgarde, Hauptmann Vanth nebst Gattin, Matthew Selfried nebst Gattin, die Druidin Ya’ena Wildsänger und der Pandare Sin-Jor Wolkentatze. Auch eine fremde Kaldorei bemerkte Avalora am Rande. Sie alle hatten sich im Halbkreis aufgestellt, die Ehrengäste dabei in der vordersten Reihe.

Avalora war General Mondfeder dankbar dafür, dass diese den Befehl gegeben hatte, dass die Schildwachen am heutigen Abend die Posten der Dalanari besetzten. Sie war auch für die Anteilnahme der Schildwachen dankbar.

Noch einmal ließ Avalora ihren Blick über die Versammelten schweifen. Überall sah sie bedrückte, ernste und nachdenkliche Gesichter. Bei vielen Dalanari erkannte sie auch einen wütenden Gesichtsausdruck. Sie alle hatten zwei Kameraden verloren.

Avalora sah noch einmal zum Mondbrunnen, und ihr Blick traf den von ihrem Großvater. Sie atmete tief durch und sah dann zu den beiden Gefallenen.

Thelindae Nachtwind und Elvrano Düsterschwert… Sie waren unter den ersten gewesen, die Avalora rekrutiert hatte, als sie den Orden wiederaufbaute. Sie hatte sie selbst ausgebildet, war mit ihnen durch Höhen und Tiefen gegangen. Sie waren ihre besten Späher gewesen. Doch nun lagen sie hier, leblos. Sie hatten zwar einen friedlichen Gesichtsausdruck, wie Avalora bemerkte, doch dieser konnte die schrecklichen Wunden nicht verbergen, die sie das Leben gekostet hatten.

Avalora fühlte sich immer noch schuldig. Sie hatte Elvrano während der Spähmission in eine Falle geführt, die sie erst zu spät bemerkt hatten. Thelindae hingegen hatte sterben müssen, um dem Orden und damit Avalora und ihrem Großvater eine Botschaft zu senden. Die Worte, die Trost spenden sollten, drängten sich in ihre Gedanken: „Sie wussten, was sie erwarten würde. Es ist nicht deine Schuld.“

Avaloras Körperhaltung wurde noch ein wenig starrer. Sie hatte Mühe, die Haltung zu bewahren. Sie wollte weinen, doch sie konnte und durfte nicht, nicht hier vor allen Anwesenden. Es gab nur drei Leute, vor denen sie es sich erlauben würde. Das waren ihr Großvater, die Priesterin und dann noch die Abgesandte des Zirkels des Cenarius, die Druidin Elyedriel Herbstlaub. Doch hier und jetzt hieß es, Haltung bewahren.

Mit tiefer Trauer und einem ernsten Gesichtsausdruck trat Avalora schließlich vor und kniete vor den beiden Aufgebahrten. Sie waren für sie mehr gewesen als nur Untergebene. Sie waren ihre Familie gewesen, als sie dachte, sie wäre die einzige Überlebende des Ordens und ihrer Familie.

Mondbrunnen













Sie hörte, wie ihr Großvater vortrat. Dann vernahm sie seine Worte:

„Danke, dass ihr alle hier erschienen seid. Wir ehren heute zwei meiner Gefreiten.“ Dalanare hielt kurz inne. „Sie waren nicht einfach nur Gefreite des Ordens, sondern für die Dalanari waren sie Teil der Familie. Ich habe nicht nur Soldaten verloren. Als ihr Shan’do… habe ich… auch zwei meiner Kinder verloren… denn ich betrachte alle Dalanari als meine Familie. Und werde es immer tun.“

Avalora sah nur kurz auf und zu den Anwesenden, vor allem zu den Gästen. Sie bemerkte auch bei ihnen finstere, nachdenkliche und ernste Gesichter. Manche fixierten mit ihrem Blick die Gefallenen.

„Den Titel eines Shan’dos zu tragen, bedeutet nicht nur Ehre. Er bedeutet auch, große Bürden zu tragen. Und eine dieser Bürden wurde mir… und allen anderen Dalanari… heute auferlegt: Euch, meine Kinder, auf eurer letzten Reise zu begleiten“, fuhr ihr Großvater fort.

Er sprach Avalora damit aus dem Herzen. Ebenso sprach er sprach für sie mit, das wusste sie. Nur sie selbst hätte keine Rede halten können. Sie brauchte ihre ganze Kraft, um Haltung zu bewahren.

Sie bemerkte, wie ihr Großvater nach unten schritt und um die Körper herumging. Die Geste, die dann folgte, das sanfte Streichen durch die Haare der beiden Verstorbenen, ließ Avaloras Haltung für einen Moment erschüttern. Ihr stiegen nun doch Tränen in die Augen und sie hatte alle Mühe, sie unter Kontrolle zu halten. Doch irgendwie schaffte sie es.

Mondbrunnen 3

















„Ihr werdet nie vergessen sein. Ihr werdet Frieden im scheinenden Licht unserer Göttin finden. Und seid euch eines gewiss, Dalanari… meine tapferen Kinder…“

Avalora hörte, wie ihr Großvater inne hielt und wieder nach oben an den Rand des Brunnens ging. Sie selbst hatte den Blick gesenkt.

„Was die Diener der Legion euch antaten… wird auch niemals vergessen werden… und sie werden es bereuen… in euren Namen und der vieler anderer tapferer Helden werden wir ihr Blut vergießen… Wir werden sie wieder lehren, die Klingen der Dalanari zu fürchten… und die Klingen unserer Verbündeten. Sie werden dafür bezahlen.“

Avalora nickte kaum merklich bei seinen Worten. Auch sie verspürte diesen Wunsch. Sie wäre am liebsten sofort losgezogen, nachdem sie die Nachricht von Thelindaes Tod erhalten hatte. Sie erinnerte sich an das Gespräch mit ihrem Großvater diesbezüglich und seufzte innerlich. Doch er hatte Recht gehabt, so schwer es ihr auch fiel, dies zu akzeptieren.

„Andu-falah-dor!“, schrie ihr Großvater nun, der Kriegsruf des Ordens und der Druiden.

Sie hörte, wie mehrere mit einstimmten, darunter ihre Rekruten, aber auch einige der Gäste. Sie selbst murmelte es nur. Sie brachte keinen Laut hervor.

Dann vernahm sie, wie ihr Großvater eines seiner Schwerter zog. Kurz sah Avalora auf. Die Dalanari taten es ihm gleich. Sie zogen ihre Schwerter und hoben die Klingen hoch in Richtung Himmel. Dabei stimmten sie synchron in den Kriegsruf mit ein. Dann senkten sie ihre Waffen wieder.

Avalora beobachtete ihren Großvater, wie er erneut zu den beiden Gefallenen ging und sie auf die Stirn küsste. Sie merkte, wie er langsam ausatmete, als er sich wieder erhob. Auch für ihn war diese Situation sehr schwer. Sie sah es, sie fühlte es.

„Geht nun, meine Kinder. Geht zu euren Ahnen. Lebt ein glückliches und ewiges Leben im Schein der Göttin. Elune Adore, Thero’Shan“, sprach er dann mit sanfter Stimme.

Mondbrunnen 2













Kurz darauf spürte sie, wie ihr eine Hand auf die Schulter gelegt wurde. Sie sah hoch. Mit einem schmerzerfüllten Blick sah sie ihren Großvater kurz an. Doch dann musste sie den Blick auch wieder abwenden. Es kostete sie sehr viel Kraft, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Ihr Großvater wusste das, ebenso wusste er, wie sehr sie unter dem Verlust der beiden litt. Deshalb hatte er ihr die Hand auf die Schulter gelegt.

Sie sah kurz zu der Priesterin, ehe ihr Blick wieder zurück zu den beiden Verstorbenen wanderte und dort verweilte.

Kurz darauf spürte Avalora, wie der Blick der Priesterin kurz auf ihr lag. Dann vernahm sie deren Stimme.

„Einst umfing uns Dunkelheit und wir sahen nichts. Wir baten um Führung, und der Mond schien hell auf uns herab.“

Noch immer lag die Hand ihres Großvaters auf ihrer Schulter, und Avalora war ihm dankbar dafür.

„Sein sanftes Licht erhellte nicht nur die Nacht, sondern schenkte uns auch Trost. Sein Licht berührte uns ebenfalls tief im Inneren und erfüllte uns, so dass wir sehen konnten, auch wenn der Mond nicht schien.“

Die Priesterin hielt inne. Diese Zeit nutzte Avalora, um kaum merklich durchzuatmen.

„Mutter Mond, wir bitten dich nun um Führung unseres Bruders Elvrano und unserer Schwester Thelindae auf ihrer heiligen Reise zu den Ahnen und Geliebten, die vor ihnen gestorben sind und die sie jetzt willkommen heißen“, fuhr Arilean fort.

Avalora wusste, dass die Priesterin nun ihre Arme in Richtung des Mondlichts hob. Es war nicht die erste Zeremonie, der sie beiwohnte. Es würde auch nicht die letzte sein.

Irritiert sah Avalora dann auf. Sie hatte das Gefühl, dass der Mond heller erstrahlen würde. Dann bemerkte sie die silberne Aura, die von den beiden Gefallenen ausstrahlte. Ehrfürchtig sah sie zu ihnen, und bemerkte dann, dass das sanfte, tröstende Licht jeweils eine vage Gestalt annahm und sich langsam von dem jeweiligen Leichnam trennte. Sie hatte auch das Gefühl, als würden sie sie und ihren Großvater ansehen und dann ihre Kameraden.

Sowohl Elvranos als auch Thelindaes Geist sanken wieder in sich zurück. Sie wurden zu kleinen leuchtenden Bällen. Avalora konnte den Blick nicht abwenden, sie wollte es auch nicht, als diese für einen Moment in der Luft schwebten. Dann sah es so aus, als würden diese kleinen leuchtenden Bälle, die Geister von Elvrano und Thelindae, vom Mondlicht angezogen werden.

Avalora beobachtete, wie sich die Kugeln im Mondlicht schwebend zersetzten. Sie spürte, wie die Gegenwart von Elvrano und Thelindae schwand. Einerseits war es tröstlich zu wissen, dass sie nun bei der Göttin und den Ahnen weilten, andererseits wurde das Gefühl des Verlustes für einen Moment fast übermächtig. Avalora musste erneut tief durchatmen.

Kurz darauf spürte sie, wie ihr Großvater seine Hand von ihrer Schulter nahm. Sie wusste, was jetzt folgte. Deshalb erhob sie sich langsam und griff sich das vordere Stück der Bahre von Thelindae. Ihr Großvater nahm sich das vordere Stück der Bahre von Elvrano. Die Rekruten Lyreath und Maliec traten vor, um ihnen zu helfen. Maliec ging zu Dalanare und Lyreath zu ihr. Fast gleichzeitig wurden die beiden Bahren dann hochgehoben.

Nyhmriel war mit den anderen Druiden schon vorgegangen, und sie folgten nun. Direkt hinter ihnen gingen die Ehrengäste, dann die anderen Dalanari.

An den vorbereiteten Stellen wurden die Körper vorsichtig auf die Erde gebettet, während die Gäste als auch die Dalanari sich um den Ort herum verteilten.

Avalora sah schweren Herzens die beiden Verstorbenen ein letztes Mal genauer an. Dann stellte sie sich an die Seite ihres Großvaters.

Die Priesterin trat vor und ließ ihren Blick über die Versammelten schweifen.

„Wie Elvranos und Thelindaes Geister ihre sterblichen Hüllen verlassen haben, so sollen diese nun der Welt ihre Kraft zurückgeben“, sagte sie und nickte dann Nyhmriel und den anderen Druiden des Ordens zu.

Avalora sah zu Arilean, während diese sich hinter Dalanare und sie stellte. Dann wandte sie den Blick wieder nach vorne.

„Die Natur schenkt uns alles was wir für unser Leben brauchen. So schenken wir ihr unseren Körper zurück, damit sich der Kreislauf schließt. Sodass wir verbunden sind mit ihr für immer und der Kreis nie bricht“, sagte Nyhmriel.

Letzte Ruhestätte 2















Die Druidin bewegte die Hände und formte mit den Fingerspitzen Zeichen in der Luft. Sie stand zwischen den beiden Körpern, während die anderen Druiden auf dem Boden um die beiden herum knieten. Sie berührten mit den Händen den Boden und sprachen leise Formeln. Nyhmriel selbst hob ihre Hände und sprach dann ebenfalls die gleichen Formeln.

Alle Anwesenden sahen zu den Gräbern. Die Blicke waren dabei ernst und in Avaloras Fall auch von tiefer Trauer erfüllt.

Schon bald glomm die Erde um die Gräber und die Druiden herum. Dieses Glimmen verstärkte sich und wurde zu einem grünlichen Leuchten. Avalora hatte das Gefühl, die Bäume würden sich in einem Wind wiegen. Doch es war windstill.

Doch dann kam ein magischer Wind auf und umwehte die Druiden und Nyhmriel. Feine grünleuchtende Schlieren waren es, die Blätter und Funken mit sich trugen. Avalora – und mit ihr alle Anwesenden – vernahmen ein Flüstern und Raunen, als sich aus der Erde Ranken erhoben und Blumen wuchsen, die langsam die liegenden Körper umschlossen.

Avalora sah ehrfürchtig zu dem Wirken der Natur. Sie spürte mehr und mehr deren Anwesenheit. Die Blumen bildeten ein friedliches Meer aus Farben und Formen. Die Ranken betteten die Körper schützend ein und zogen sie etwas mit sich in den Schoß der Erde.

Nyhmriel senkte ihre Hände. Die anderen Druiden erhoben sich und beendeten auch das Wirken der Naturmagie. Avalora sah zu der Rekrutin.

Was nun folgte, war die letzte Ehrung unter Soldaten. Avalora sah, wie ihr Großvater eines seiner Schwerter zog und gen Himmel hob. Sie folgte seinem Beispiel, ebenso die anderen Dalanari. Das alles geschah schweigend und mit spiritueller Ruhe. Ein letzter Salut war es, gerichtet an tapfere Soldaten, an tapfere Kinder und Geschwister.

Auch die Rekruten des Ordens zogen ihre Waffen und hoben sie gen Himmel.

„Danke, meine Kinder… auf bald… im Schein der Göttin“, sagte Dalanare und steckte seine Waffen weg.

Avalora tat es ihm gleich. Doch gleichzeitig fragte sie sich, wie viele Zeremonien dieser Art sie künftig noch würden abhalten müssen. Wie viele von den Dalanari würden noch sterben? Wie viele Soldaten, die sie selbst rekrutiert und ausgebildet hatte, würde sie noch zu Grabe tragen müssen?

Avalora atmete tief durch, um die Kontrolle über ihre Gefühle nicht zu verlieren. Am Rande bekam sie mit, wie die Dalanari hinter den Gästen nun freundlich dazu aufforderten, in das Hauptgebäude zu folgen. Das Ritual war somit beendet. Doch die Gäste sollten nicht ohne Stärkung bleiben. Zugleich war es ein Dank für die Unterstützung.


Im Hauptgebäude selbst, im Aufenthaltsraum, den sich normalerweise die Schildwachen und die Dalanari teilten, waren an einer Seite Tische aufgebaut. Auf ihnen befand sich eine große Auswahl an Gerichten, darunter auch menschliche und pandarische. Auch für Getränke war gesorgt worden. So gab es pandarisches Bier, Quellwasser, Mondbeerensaft sowie nichtalkoholische Säfte.

Avalora atmete erneut tief durch. Ihr Großvater richtete einige Dankesworte an die Gäste. Avalora blieb an der Seite ihres Großvaters, auch und vor allem als dieser die Worte der Anteilnahme der Gäste entgegennahm. Sie bewahrte mühsam Haltung, obwohl die Worte sie rührten. Sie verneigte sich jedoch dankbar, als der Orden der Scharlachroten Faust ihnen die Antwort auf das Hilfegesuch gab. Auch von ihnen würden sie Hilfsgüter erhalten.

Nach und nach verteilten sich die Gäste an den Tischen. Ihr Großvater ging schließlich zu den anderen Gästen, und Avalora blieb allein an Ort und Stelle stehen. Erneut atmete sie tief durch. Dann trat Zenturio Elanil Laubschild auf sie zu, in Begleitung der Adepta Smythe.

Die Worte der Zenturio berührten Avalora zutiefst. So würde die Zenturio der Namen der beiden Verstorbenen gedenken, wenn es in die Schlacht geht. Auch bot sie erneut ihre Hilfe an. Avalora musste sich wirklich bemühen, nicht die Fassung zu verlieren. Sie neigte ihr Haupt und bedankte sich für die Worte. Auch sagte sie aufrichtig, wie viel sie ihr bedeuteten. Mehr brachte sie nicht hervor.

Die Zenturio und die Adepta mischten sich unter die anderen Gäste, und Avalora blieb allein zurück. Nur am Rande registrierte sie die Unterhaltungen der Gäste. Kurz überlegte sie, ob sie nicht einfach nach draußen gehen sollte. Ihr war nicht nach Gesellschaft zumute. Ihr Großvater jedoch kannte sie zu genau, so dass er zu ihr hinging und sie leise darum bat, sich Gesellschaft zu suchen. Sie wusste, er machte sich Sorgen, und er wollte nicht, dass sie allein mit ihrer Trauer blieb. Sie sah schweigend zu ihm, doch er sagte nichts weiter und ging wieder zu den anderen Gästen.

Avalora atmete erneut tief durch. Sie wollte ihrem Großvater nicht noch mehr Sorge bereiten. Deshalb sah sie sich um. Zu wem sollte sie sich gesellen? Es gab zwei Gruppen. Sie verschob die Entscheidung erst und ging zu den Tischen mit den Gerichten. Sie verspürte keinen Appetit, nahm sich trotzdem eine Kleinigkeit. Dann ging sie zu der kleineren Gruppe bestehend aus dem Feldwebel nebst Gattin sowie Hauptmann Vanth nebst Gattin. Auch Nyhmriel und Arilean standen dort.

Sie verfolgte das Gespräch anfangs nur schweigend, doch hin und wieder warf sie ein paar Worte ein. Hauptmann Vanth hingegen startete einen Versuch der Ablenkung, indem sie ihr ihren Becher hinhielt. Sie konnte den Saft nicht einordnen, den sie sich ausgewählt hatte. Also nahm Avalora den Becher und schnupperte daran. Sofort schossen ihr Kindheitserinnerungen durch den Kopf. Sie kannte den Geruch, hatte sie doch diesen Saft als Kind geliebt. Es war Waldbeerensaft, so erklärte sie. Es war unmöglich, den Geschmack jedes Mal gleich zu halten, so dass er immer wieder anders schmeckte. Gerade das hatte sie so geliebt.

Doch die Kindheitserinnerungen versetzten ihr nur einen weiteren Stich ins Herz. Sie dachte an die Familienmitglieder, die sie verloren hatte. Für sie hatte Avalora keine solche Zeremonie machen können, nur eine nachträgliche Gedenkzeremonie. Doch die hatte nur für sie stattgefunden damals in Darnassus und war ebenfalls von Arilean geleitet worden.

Avalora hielt sich an dem Teller fest, ohne jedoch einen Happen davon zu essen. Mühsam konzentrierte sie sich auf das Gespräch vor sich. Doch schließlich musste sie den Teller abstellen, als sie merkte, wie ihre Hände anfingen zu zittern.

Nach und nach gingen die Gäste. Viele hatten am nächsten Morgen ihren Dienst in Sturmwind anzutreten, andere wiederum wie die Vertreter der Argentumgarde und auch der Pandaren würden in der Feste übernachten.

Auch Avalora zog sich schließlich zurück.

Sie hatte Haltung bewahrt. Diese Pflicht als Offizier war ihr noch niemals so schwer gefallen wie am heutigen Tag. Sie wusste, es würden weitere solcher Tage folgen…

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