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Die dritte Trolllegende

(Gefunden auf einer Steintafel im Schlingendorntal)

Und wie eine Wassersäule erhob sich Neptulon aus dem Ozean, um die großen Kraken zu der verdammten Stadt I'lalai zu schicken. So groß waren die Kraken, dass ganze Wälder von Tang zwischen ihren Tentakeln Platz fanden und Leviathane durch ihre Körper schwammen.

Dann hob der größte Kraken seine Arme und ließ sie donnernd ins Meer schlagen, so dass gewaltige Wellen sich auftürmten, Wellen, die geradewegs auf I'lalai zurasten.

Die Krakken brüllten, und ihre Stimmen klagen wie das Brausen des Sturms über der See:

"Wir kommen."

Min'loth stand unerschütterlich und beschwor seine magischen Kräfte. Die zu I'lalai geschickten Wellen teilten sich und ergossen sich nach beiden Seiten, den Dschungel dahinter unter sich begrabend. Alsdann hieß Min'loth seine Diener Bindungsgesänge anstimmen, und Dutzende von Trollstimmen erhoben sich tosend.

Und eine Stimme war lauter als alle anderen.

Min'loth brülle auf und seine Magie sammelte die Macht der Zauber seiner Diener und er schleuderte sie den nahenden Kraken entgegen.

Die See teilte sich und Min'loths Zauber raste auf die Diener des Neptulon zu. Blitze zerrissen den Himmel, als der Zauber sie traf. Tausende Blitze zuckten herab, brachten das Wasser zum Kochen und gruben Krater in die Erde.

Min'loth stieß ein Triumphgeheult aus, glaubte er doch, sein Zauber werde die gigantischen Kraken fällen.

Aber die Kraken sind alt, sehr alt. Sie waren dabei, als das Meer das Land gebar.

Sie waren dabei, als die Altvorderen herrschten, und als die Reisenden kamen, um sie zu stürzen. Sie waren dabei, als die Magie noch neu war.

Sie sind alt und hüten viele Geheimnisse. Min'loths Zauber war stark, aber nicht anders als der Troll war auch der Zauber sterblich.

Und so versagte er.

Zwar konnten die Kraken nicht gebunden werden, aber es machte sie wütend. Seit Ewigkeiten hatten Sterbliche ihnen keine Schmerzen mehr bereitet, und der Zauber der Trolle war wahrlich schmerzhaft.

Sie schüttelten den Bann von Min'loths Zauber ab und schlugen dann zornig brüllend zurück.

Ein Rumpeln war zu vernehmen, als Grosse Wellen aus der Tiefe emporstiegen und auf das Land zurasten. Als sie I'lalai erreichten, warfen sie einen Schatten auf die Stadt.

Aber bevor die Wellen sie zerstörten konnten, hielten die Kraken plötzlich inne und verharrten unbeweglich.

Die Troll Hexendoktoren erzitterten und wehklagten ihrem Meister. Min'loth starrte auf die Berge im Wasser, verloren und doch trotzig. Er drehte sich zu seinen Adepten um und flüsterte seine letzten Worte, welche die Trolle in Stein meißelten. Dann wandte sich Min'loth den drohenden Kraken zu.

Er verzog das Gesicht zu einer Fratze und wirbelte in einem letzten kühnen Akt seinen Stab herum.

Dann richteten die Kraken all ihre Wut auf Min'loth und der Ozean stürzte auf I'lalai.

Und es war nicht mehr.

Und dann überspülte das Wasser den Urwald und riss alles mit sich fort. Trolle und Wildtiere heulten auf, bevor das Wasser sie erfasste und in die Tiefe zog.

Viele Gurubashi fragten sich noch, warum der Ozean sie verschlang, aber sie starben unwissend.

Erst als das Wasser die Berge erreichte, hielt es inne. Besänftigt zog sich das Wasser danach wieder zurück und hinterließ einen Schauplatz der Verwüstung.

Trotz allem blieb I'Lalai eine auf ewig versunkene Stadt.

Und Häuptling Var'gazul, hinter den Bergen in Zul Gurub in Sicherheit, ging in den Urwald und fand dort keine Spur seines Volkes mehr.

Da verzweifelte er, denn seine Träume von der Eroberung waren geplatzt.

Und Min'loth die Schlange ward niemals gefunden.

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