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Hintergrund zu Gweniya, 1.Teil

Die Herbstsonne schien warm über Silbermond. Es war einer dieser Tage, an denen die Stadt von Pärchen wimmelte. Die Straßen waren gefüllt mit den Adeligen, Bürgern und vor allem Händlern, die noch einige Waren unters Volk bringen wollten. Doch auch die Stadtwache hatte genug Arbeit an diesen, sonst so perfekten Tagen, denn mit den Händlern kamen auch die aus ihren Löchern, die man als den Abschaum der Stadt bezeichnete, Diebe, Bettler und Kurtisanen. Die Wachen waren niemals zimperlich gewesen, wenn es darum ging dem Abschaum seinen Platz zu zeigen und eingeschlagene Schädel galten als übliches Mittel zur Bekämpfung der Kriminalität.

Unter den prüfenden Blicken einer Streife der Stadtwache, eilte Niya durch die Stadt, sie kannte diesen Weg auswendig, jeden Tag eilte sie hier entlang. Und jeden Tag wurde sie mindestens zwei Mal von einer Streife angehalten, die sie durchsuchte, befragte und schliesslich ziehen lassen musste, weil sie nicht einmal einige Kupferstücke dabei hatte, die man ihr hätte abnehmen können. Niya ließ diese Tortur jeden Tag über sich ergehen, wußte sie doch, das sie bald ihre Geliebte Niéll in den Armen halten würde. Es war ihr Ritual geworden, ihre Liebste direkt am Tor des Adelshauses, wo Niéll als Magd arbeitete, abzuholen. Diese naive, und ach so junge Sin'dorei war es, die Niya dazu brachte ihr altes Leben, das Leben einer Diebin aufzugeben.

Niya lächelte als die tiefstehende Sonne sie traf, in Gedanken versunken eilte sie vorwärts und erblickte am Ende der Gassen, ab vom Trubel, bereits das wohlbekannte Eisentor des Anwesens in dem Liéll ihr Tagbrot verdiente. Am Tor angekommen, nahm Niya keuchend und völlig ausser Atem auf dem Steinboden Platz, es konnte sich nur noch um Minuten handeln, ehe das Tor sich öffnete und ihre Liebste hinaustrat. Sie würde sie fragen wie ihr Tag war, ob der Herr Lord wieder einen schlechten Tag hatte und sie beide würden dann scherzend und turtelnd nach Hause gehen.

Ein markerschütternder Schrei riss Niya aus ihrem Tagtraum. Sie kannte die Person die da schrie. Kalter Angstschweiß schoß ihr aus allen Poren - was war mit Niéll? Niya mußte dort rein, sehen was los war. Aus dem Innenhof, schwer hörbar durch das massive Eisentor mit dem Blütenornament, war ein dumpfer Schlag zu hören, gefolgt von einem erneuten, deutlich hörbaren markerschütternden Schrei einer weiblichen Elfe.

Niya versuchte sich zu konzentrieren, doch der zweite Schrei zeigte auch bei ihr Wirkung, ihre Gedanken drehten sich um Liéll, was war dort los - sie musste verdammt nochmal dort rein. Ein Jahr lang, jeden Tag, saß sie vor diesem Tor, sie hätte die Ornamente im Schlaf mit der Hand nachzeichnen können, es war massives Eisen, mit einem recht simplen Schloß, doch im Inneren konnte man einen gewaltigen Holzriegel vorschieben, sie hatte schon erlebt, das bei besonderen Anläßen diese Sicherheitsmaßnahme genutzt wurde. Mit geschickten, aber zittertenden Fingern und einer Haarspange versuchte Niya das Schloß zu öffnen. Endlos kam ihr die Zeit vor, ehe sie das vertraute Klacken der Mechanik vernahm, das jedoch direkt von einem weiteren Schrei ihrer Liebsten unterbrochen wurde - markerschütternd, doch deutlich kraftloser als die ersten beiden. Schwer atmend, angestrengt öffnete Niya das Tor, spähte hinein und erblickte Liéll, gefesselt mit den Händen an einen Pfahl, ihre fast weiße Haut blitzte in der Sonne, ihr Hemd hing in Fetzen an ihrem rechten Arm. Kalter Hass loderte in Niyas Augen, Tränen sammelten sich in ihnen, mit einem Satz sprang sie in den Hof, stürzte auf ihre Liebste zu, doch ehe sie sie erreichen konnte, wurde ihr Ansturm jäh gebremst, ihr linker Arm wurde festgehalten und Niya taumelte nach links, fiel auf die Knie und schlidderte über den Steinboden. Ehe sie sich aufrappeln konnte, ergriff jemand auch rechten Arm und drehte ihn unsanft nach hinten und ein leichtes Knacken war zu hören. Einer der beiden Angreifer kniete sich nun in ihren Rücken, fixierte sie gnadenlos auf dem Boden und alles was sie noch tun konnte war, den Kopf zu drehen und nach ihrer Liebsten zu sehen.

Der Anblick der sich Niya bot war schlimmer als jeder Schmerz, den sie in ihren 20 Jahren erfahren hatte, ihre geliebte Liéll hing, gehalten nur durch die Fesseln an ihren Hände halb in der Luft, hinter ihr stand ein kräftiger Elf mit einer Peitsche, an deren gespleißten Enden kleine Metallkugeln hingen und mit der er gerade erneut ausholte und ein lautes "fünfundzwanzig" hören ließ, ehe er sie mit Wucht auf den zarten Leib Liélls schlug. Ein kraftloser Schrei hallte durch den Hof, gefolgt von einem deutlich kraftvolleren Schrei Niyas. "Ihr verfluchten Schweine", war alles was sie rausbrachte, als sie auch schon ein harter Tritt am Kopf traf. "Sechsundzwanzig", dröhnte es in ihren Ohren und sie zuckte innerlich zusammen, erwartete die Stimme ihrer Liebsten zu hören, doch diesmal war kein Schrei zu hören, nur ein kurzes Stöhnen. Niya spannte ihre Muskeln an, versuchte sich mit einem kraftvollen Ruck zu befreien, zu ihrer Geliebten zu rennen, doch mehr als ein lautes Krachen und stechender Schmerz. Ihre zwei Bewacher waren auf der Hut gewesen, der Schmerz in ihrem Arm war höllisch und das Krachen ließ darauf schließen, das ihr Arm gebrochen war. Zu allem Überfluß belohnte der zweite Aufpasser ihren Übermut mit einem weiteren Tritt gegen ihren Kopf, der daraufhin den Steinboden küsste und eine warme Flüssigkeit lief ihr übers Gesicht - doch das war ihre geringste Sorge.

"Siebenundzwanzig" und Stille, kein Schrei, kein Stöhnen, nichts war zu hören. Niyas Blick fiel auf den leblosen Körper von Liéll, ihre Beine waren eingeknickt und sie baumelte, gehalten durch starke Lederriemen an ihren Handgelenken an dem Pfahl.

"Achtundzwanzig".

"Halt! Macht sie los" tönte es mit gebieterischer Stimme durch den Hof. "Jawoll, Lord Soedin." antwortete der Mann mit der Peitsche. Einen Augenblick später sah Niya, wie der Körper ihrer Liebsten zu Boden klatschte, liegenblieb und keine Anstalten machte sich auch nur minimal zu bewegen.

"Wenn habt ihr da?" hörte sie die Stimme des Lords und plötzlich wurde sie mitleidlos hochgezogen, die Arme auf dem Rücken verdreht. Niya sah auf, suchte die Quelle der Stimme und wollte ihm gerade ein "du Sohn einer Kaldoreihure" entgegenschreien, als sie einen Schlag ins Gesicht erhielt und wieder war ein Krachen zu vernehmen.

"Senke den Blick, Schlampe, du sprichst nur, wenn du angesprochen wirst", höhnte es von links hinten.

"Sag dem Lord deinen Namen und was du mit Liéll zu tun hast", kam es aus der anderen Richtung.

Ohne sich zu bewegen, antwortete Niya mit "Sie ist meine Schwester". Scheinbar glaubte man ihr diese Lüge, denn der Lord ergriff sogleich das Wort. "Deine Schwester hat beschlossen meinem hohen Hause Schande zu machen und das vor dem Besuch des Prinzen. Das ist ein schwerwiegendes Verbrechen, das mit 50 Peitschenhieben bestraft wird." Niya hörte ein leises Flüstern einer unbekannten Stimme, aus Richtung des Lords und sie hob vorsichtig den Kopf und konnte den Lord mit gelangweiltem Blick nicken sehen.

"Liéll war keine schlechte Magd, sie war lediglich unbedacht. Die Strafe muß nicht über den Tod hinaus fortgesetzt werden. Erlaubt ihrer Schwester sie mitzunehmen und zu bestatten." sagte der Lord, wandte sich ab und Schritte waren zu hören, die stetig leiser wurden. Ihre Welt war gerade in sich zusammengestürzt, der Griff ihrer Bewacher lockerte sich und Niya sank zu Boden, Meter um Meter kroch sie auf den Pfahl und den leblosen Körper ihrer Geliebten zu. Langsam näherte sie sich, sackte auf Liéll zusammen und begann zu weinen, ein Schreikrampf folgte auf den nächsten. Ihre zwei Bewacher unterbrachen Niya mit einem leichten Tritt und wiesen ihr den Weg zur Tür. Mit letzter Kraft hob sie Liéll hoch, schleppte sie zu dem Eisentor, dem Tor das sie über ein Jahr als Zeichen der Hoffnung ansah. Stolpernd, Liéll an sich gedrückt, irrte sie fassungslos, blutend und fast blind vor Tränen nach draußen. Das Tor schloss sich scheppernd und sie war allein mit ihrer toten Geliebten.

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