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Qsicon Exzellent.svg Dieser Artikel wurde am 04. Oktober 2016 als Spotlight der Woche vorgestellt.

von Gjinja <<Rote Laterne Kalimdor>>

„Sie is zu schwach, Mara! Viel zu schwach un klain. Bringt Schande das mia zeugens so Schwachling!“. Die Worte des alten Kriegers Ganjin’zul hallten von den Wänden der Hütte wieder.

„Aba sie is trotzdem dain Tochta! Un sicha wächst noch. Iagendwann wirst sehen, sie größa un stärka als alle andern in Dorf!“. In den Worten lag mehr Flehen als wirkliche Hoffnung. Maraji liebte ihre Tochter, auch wenn sie kleiner und schwächer wirkte als die anderen Welpen im Dorf. Doch im Innersten wußte sie das keine Hoffnung mehr bestand. Ganjin’zul hatte einen Entschluß gefaßt und wenn der Krieger etwas entschied dann war es Gesetz im Haus. Flehend sah Maraji ihrem Männchen in die kalten Augen, doch Ganjin’zul wich dem Blick aus und sah mit verächtlichem Blick auf den kleinen Welpen mit den feuerroten Haaren.

„Selbst da Docta habens gesagt seins zu schwach. Nichma da Geistas wüaden da helfen. Wia bringn se Moagen in die Wildnis. Dann habn da Raptors un Tigas noch was von…“.

Marajis Züge zeigten entsetzte Trauer, doch das ließ Ganjin’zul kalt. Er hatte gesprochen…

Trotzdem fügte er mit versöhnlichem, ja fast tröstendem Ton hinzu: „Wia sorgens schon dafüa das unsa nächsta Welpe was wiad auf das wa Stolz sain könn’n! Eh Mara?“ doch die Worte verfehlten die Wirkung die Ganjin’zul sich erhoffte. Maraji schluchzte traurig und sah wehmütig auf das Fellager ihrer Tochter Gjinja. Sie schlief so ruhig und ahnte sicher nichts von alle dem.

Ganjin’zul trank seinen Krug leer und warf den Knochen seines Abendmahls über die Brüstung der halboffenen Hauswand zu seinem Kriegsraptor. Die schwarze Reitechse war sein ganzer Stolz. Kriegshäuptling Orgrimm Doomhammer persönlich hatte ihn ihm zum Geschenk gemacht nachdem Ganjin’zul im zweiten Krieg mit einer Hand voll Stammeskriegern den Zug eines Orkschamanen vor Angriffen durch einen Trupp Elfenwaldläufern beschützt hatte.

Maraji hingegen war eher friedliebend. Sie lebte mit ihrer Familie seit sie denken konnte an der Küste des Hinterlands in einem kleinen Fischerdorf. Fischen, das war alles was Maraji kannte, alles was sie ihr Leben lang bisher getan hatte. Und sie war eine exzellente Fischerin. Ganjin’zul und sie hatten sich kennengelernt als Ganjin’zul kurz vor Ende des zweiten Krieges Axtwerfer, Krieger und Hexendoktoren zum Sturm auf Grim’Batol sammelte.

Nach dem Krieg kehrte Ganjin’zul zu Maraji zurück und sie gründeten eine Familie. Zumindest hatten sie es versucht. Ihr erster Welpe starb eines Winters an einer Krankheit die kein Schamane zu lindern vermochte und ihr zweiter Welpe… nun ihr zweiter Welpe war Gjinja, Schande ihres Vaters.

Gjinja war grade einmal vier Sommer alt an jenem Herbstabend als ihr Vater ihr Schicksal beschloß. Maraji schlief diese Nacht nicht. Sie lag trauernd in den starken, rauhen Armen ihres Männchens und starrte zwischen den Brettern der Wand hindurch in die Sterne. Ihre Tochter sollte zum Sterben in die Wildnis gebracht werden weil sie ihrem Vater eine Schande war…

Ganjin’zul hatte schon oft davon gesprochen das dies bei seinem Stamm, er stammte von den Dschungeltrollen des Dschungels im Süden der Reiche ab, so üblich sei um Schwäche im Stamm zu unterbinden, doch Marajis Gefühle verdrängten das Verständnis für die Notwendigkeit nur starken Welpen das Leben zu gönnen. Als der Morgen graute und der Schlaf ihres Männchens unruhiger wurde, sicher geplagt von den Schrecknissen die er im Krieg gesehen haben mußte, regte sich auch Gjinja in ihrem Lager.

Den leisen Geräuschen ihrer Tochter folgend kroch Maraji aus den Wolfsfellen ihres Lagers und ging leise an Gjinjas Lager. „Gutan Moagen min klain Sonnenschain!“ begrüßte Maraji ihre Tochter als sie sie aus den Fellen hob und in den Arm nahm. Sie hatte die Nacht durch gelernt Gjinjas schreckliches Schicksal nicht sehen zu wollen und zu verdrängen. Dies half ihr den Tag wie jeden anderen zu beginnen.

Gjinja strahlte ihre Mutter freundlich an und spielte, fröhlich glucksend, mit ihren knubbeligen Klauen an Marajis algengrünen Zöpfen.

Maraji trug ihre Tochter im Arm zum Eßtisch herüber und setzte sich. Während Gjinja weiterhin fasziniert mit den Zöpfen ihrer Mutter, und den Fischgräten die Maraji als Schmuck im Haar trug, spielte bereitete Maraji das Frühstück für ihre Tochter. Fischbrei. Wie jeden normalen Morgen. Anders als viele andere Welpen schien Gjinja den Brei sogar richtig zu mögen. Das wiederum war etwas das Maraji ein wenig mit Stolz erfüllte da sie es auf ihre Fähigkeiten als Fischerin und ihre besondere Sorgfalt bei der Auswahl der verwendeten Fische und Kräuter zurückführte.

Als der Geruch des Fischbreis langsam die Hütte erfüllte und an Gjinjas Nase drang blickte die kleine Trollin aufmerksam im Haus umher und reckte die Klauen nach der Schüssel mit ihrem Frühstück aus. Maraji mußte unweigerlich lächeln und hätte sicherlich auch fröhlich über ihre Tochter lachen und sich freuen können, hätte nicht ein weiteres, unglücklicheres, Geräusch die Zerstörung der Illusion eines ganz normalen Morgens angekündigt.

Ganjin’zul gähnte laut und ausgiebig. Der alte Troll stützte sich auf seine Ellbogen und sah mißmutig zum Eßtisch. „Mara, wieso füttast die Klaine noch? Is doch Vaschwendung, heut Abend hat se eh kain Hunga mea…“. Ganjin’zul rieb sich mit dem Unterarm durch das Gesicht und kratzte sich an der Nase.

Er verstand auch nicht wieso sein Weibchen plötzlich so blaß wirkte und leise zu Schluchzen anfing. Mürrisch mit den Zähnen knirschend sagte Maraji ohne ihn anzusehen „Lassen wia se wenigstns satt steaben, eh? Dia wüads auch nich passen hungrig in’n Tod zu gehn“. Sie drückte ihre Tochter liebevoll und strich ihr zärtlich mit den Hauern über die Haare.

„Wann is es sowait, Ganjin?“ fragte sie tonlos in die Richtung ihres Nachtlagers.

„Bessa früha als zu spät, eh? Bring’ se am bestn voam Fischn noch weg. Un soag dafüa das se n Wech nich mitbekommt. Soll ja nich wieda heafindn. Das wäa ja noch größa Schande… Am bestn legst se gleich an ne Wolfshöle, eh? Aba paß auf das dia nix passiat min Herz“. Ganjin’zuls kratzige Stimme war die Worte in den Raum. Maraji starrte ihn fassungslos an. „Dia eawaten das ich min eigen Tochta, min eigen Welpn an da Wolfens vafüttan geh?“. Maraji wurde langsam etwas zornig. Einen Wesenszug den sie nur sehr selten an sich entdeckte.

Ganjin’zul brauchte allerdings wesentlich mehr als den Zorn seines Weibchens um beeindruckt zu werden. „Aye, ich gea voam Essen noch mit da Jungs zun Bokur. Da Bokur brauchen Hilfa bai iagendson Voodoo-Kram. Könnt länga dauan.“ erwiederte Ganjin’zul heiser. Maraji sah ihn aufgelöst an. Er erwartete also daß sie ihre Tochter umbringen geht. Sie dachte noch darüber nach was sie ihm nicht alles erwidern wollte, doch sie kannte Ganjin’zul nun zu lange. Er hatte entschieden, also hatte sie zu folgen. Sie seufzte. Langsam aber deutlich spürbar machte sich ein Schmerz in ihrer Brust breit.

Das Fischen müßte heute wohl ausfallen. Maraji würde es ohnehin nicht rechtzeitig zum Essen nach Hause zurück schaffen. Um eine Wolfshöhle zu finden mußte sie ein ganzes Stück vom Dorf fort. Immerhin hatten die Jäger des Dorfes lange Zeit gebraucht um die Wölfe aus der näheren Umgebung zu vertreiben und damit die nächtlichen Überfälle der Raubtiere zu unterbinden. Jedoch wen störte es wenn heute kein Essen auf dem Tisch stand? Ganjin’zul war sicher sowieso bis in die Nacht mit seinen Kriegern unterwegs und nach ihrer Aufgabe würden sie sich eh beim Braumeister des Dorfs betrinken gehen.

Schwermütig sah Maraji auf das rote Haar ihrer Tochter die an ihrer Klaue neben ihr lief.

Sie würde sie vermissen. Sie und ihr Welpenlachen. Und wieder würde ihre Hütte alt und einsam wirken. Dieser Gedanke bedrückte Maraji schwer. Sie hatte sich ihr Leben lang gewünscht einen Welpen großziehen zu können. Ihr Wissen um die Fischerei, die Geschichten ihrer Mutter und ihre Erfahrungen weitergeben zu können. Und sie mochte das Lachen und das tolpatschige herumpurzeln der Kleinen in der Hütte. Mit diesen schweren Gedanken marschierten Maraji und Gjinja schweigend vor sich hin. Gjinja war ihrer Mutter einige Male fragende Blicke zu, doch Maraji schwieg still vor sich hin.

Nach stundenlangem Marsch den Strand entlang und die Klippen der Küste empor gelangten sie schließlich an ein schroffes Felsplateau am Fuß des einer Gebirgskette. Karger Bewuchs durch Gräser und ein paar Bäume säumte die Felsformation und verlieh ihr etwas urtümliches, mystisches. Maraji führte Gjinja näher an den Felsen heran und es dauerte nicht lange bis sie tatsächlich die Spur eines Wolfes im Lehm unter dem Gras fanden. Schwer schluckend und Tränen unterdrückend deutete Maraji mit der Kralle auf die Spur und sprach mit liebevoller Stimme zu ihrer Tochter „Siehst das Sonnenschain? Das sin Tatzenabdrucka von Wolfens. Magst mal Wolfens sehen?“. Gjinja bückte sich, immer noch an der Hand ihrer Mutter, und wischte mit ihrer Klaue durch den Tatzenabdruck. Dann sah sie ihre Mutter vergnügt an und gluckste fröhlich. Maraji lächelte. Es war genau dieser Gesichtsausdruck, in diesem Augenblick, den sie im Gesicht ihrer Tochter sah, den sie so an Welpen liebte. Sie schaute so unschuldig und glücklich. Maraji seufzte. In dem Lachen ihrer Tochter lag etwas das sie wie ein Dolch ins Herz traf. Vertrauen. Gjinja würde niemals erwarten das ihre Mutter ihr etwas antat das ihr schaden könnte. Und würde sie das wollen? Wie könnte sie denn ihrer eigenen Tochter ein Leid zufügen? Ihr Blick wechselte langsam zwischen dem Tatzenabdruck und Gjinjas lachendem Gesicht. Gjinja streckte ihrer Mutter die Arme entgegen und bewegte ihre knubbeligen Klauen grabschend. Maraji beugte sich herunter und nahm ihre Tochter auf den Arm. Leise flüsterte sie, während sie Gjinja mit der Klaue an die Nase stupste „Dann weaden wia uns da Wolfens mal anschaun gehn main Sonn’nschain“.

Sie folgten der Spur bis zu ein paar Sträuchern am Fuß der Felsformation. Maraji hatte etwas Angst. Angst vor dem was kommen würde, Angst vor dem Abschied von ihrer Tochter und Angst den Wolf auch noch sehen zu müssen der Gjinjas Leben beenden würde.

Hinter den Sträuchern war es still. Die untergehende Sonne schien glutrot auf die rostbraunen Steine und warf einen dunklen Schatten in den Eingang der Höhle der sich dort befand. Es war nichts zu hören. Kein Atmen eines Raubtiers, kein Rascheln in einem Lager, nichts.

Durch die angeborene gute Sicht bei Dämmerung und den guten Geruchssinn der Trolle zu tödlichen Jägern macht bestätigte sich Marajis Verdacht daß es sich um die Höhle eines Wolfes handelte, jedoch gerade kein Tier in der Höhle war. Langsam, fast zögerlich betrat sie die Höhle, Gjinja immer noch auf dem Arm. Gjinja schaut aufmerksam und neugierig in das Dunkel im Inneren der Höhle. Maraji hörte ein Knacken und spürte Knochen unter ihren Füßen zerbrechen. Unweigerlich fragte sie sich ob die Knochen wohl von Trollen stammen würden? Vielleicht von einem Welpen der von seiner Mutter zum Sterben hergebracht worden war? Wie die Mutter sich wohl fühlen würde wenn sie die Knochen sähe? Maraji seufzte und suchte eine Stelle an der keine Knochen lagen. Sie kniete sich auf den Boden und setzte Gjinja auf einen kleinen Felsbrocken vor sich. Schwermütig, doch bemüht so liebevoll wie möglich zu klingen, fragte sie ihre Tochter „Magst da Wolfens immanoch sehen Sonn’schain?“. Gjinja knabberte an ihrer Kralle herum und nickte ihrer Mutter mit großen, neugierigen Augen zu. Maraji wünschte sich die Frage nicht gestellt zu haben. Oder zumindest wünschte sie sich das ihre Tochter ihr eine Antwort gegeben hätte die sie dazu veranlaßt hätte mit ihre zurück nach Hause zu gehen. Doch im Innersten hörte sie die Stimme von Ganjin’zul wie er ihr ebenfalls Schwäche nachsagte und sie vielleicht sogar ebenso verstieß. Sie schluckte ihre Trauer herunter, schloß die Augen und flüsterte: „Dann blaib hia sitzen und schauen aufmeaksam zum Eingang da, aye? Mamma geaht raus un holt da Wolfens hea für da Sonn’nschain“. Sie wollte ihrer Tochter ein Lächeln schenken doch es wollte ihr beim besten Willen nicht gelingen. Sie strich Gjinja kurz mit den Hauern über die Wange und mit der Klaue durch die Haare und stand auf. „Mamma kommt wieda un holt da Sonn’nschain wenn dia da Wolfens gesehen hast“. Maraji wand sich zum Ausgang der Höhle. Als sie im Licht der Untergehende Sonne aus dem Schatten trat wendete sie sich ein letztes Mal dem Höhleninneren zu. Sie sah die grauen Umrisse ihrer Tochter wie sie auf dem Felsen saß, an ihrer Kralle knabberte und mit gespannten, großen und glitzernden Augen auf die Wölfe wartete die ihre Mutter ihr versprochen hatte.

Das die Wölfe nicht nur hübsch anzusehen, sondern mit unter eine der tödlichsten Gefahren waren, und Gjinja im Handumdrehen töten und fressen würden, würde die kleine Trollin viel zu spät erst erkennen. Maraji wand sich schluchzend ab und trat aus dem Höhleneingang in die Sträucher.

Einen kurzen Moment überlegte sie ob sie noch warten solle, bleiben solle bis der Wolf, dessen Höhle sie als Gjinjas letzte Ruhestätte auserkoren hatten, zurückkäme, doch dazu fand sie den Mut nicht mehr. Sie wußte daß sie es Gjinja eigentlich schuldig war zumindest bei ihr zu sein wenn sie den Tod, dem sie sie übergeben hatte, ereilt, doch das hätte sie nicht ertragen. Maraji zweifelte auch daran ob sie es jemals akzeptieren und ertragen könne ihre Tochter zum Sterben in eine Wolfshöhle ausgesetzt zu haben, doch daran hatte sie keine Entscheidung zu treffen. Ganjin’zul hatte es so entschieden.

Maraji trottete Richtung Norden durch die Steppe. Fast war das Felsplateau schon außer Sicht als sie das Heulen eines Wolfes wahrnahm. Sofort war ihr klar das es der Wolf sein musste in dessen Höhle Gjinja auf die Rückkehr ihrer Mutter wartete. Maraji ließ sich kraftlos auf den Boden fallen und versuchte das Heulen aus ihrem Kopf zu vertreiben. Sie wollte nicht wissen daß der Tod ihrer Tochter so nah war. Sie wünschte sie hätte das Heulen nie gehört. Doch so sehr sie sich auch anstrengte, das Echo des heimkehrenden Wolfes hallte ich ihren Gedanken wieder und wieder durch ihr Bewußtsein.

Maraji stand langsam wieder auf. Weinend, verzweifelt und völlig am Ende ihrer Kräfte. Was erwartete Ganjin’zul da überhaupt von ihr? Hätte er doch seine Tochter töten sollen wenn es ihm seine Tradition so vorschrieb! Maraji blickte zum Felsplateau zurück. Sie sah den Wolf. Sein silbergraues Fell schimmerte im Abendlicht. Einige hundert Schritt von ihr entfernt schnüffelte der riesenhafte Wildhund an der Stelle an der Maraji ihrer Tochter die Spur des Raubtiers gezeigt hatte. Der Wolf riss den Kopf herum und schaute in Richtung seiner Höhle.

Marajis Herz blieb einen Moment lang stehen. Der Wolf knurrte, die Lefzen gebleckt und schritt auf seine Höhle zu. Ob sie wirklich Gjinjas verzücktes Kichern hörte, oder ob es nur Einbildung war konnte Maraji nicht sagen, doch ihr Herz faßte einen Entschluß. Eine Klaue schloß sich um den Griff einer Machete. Füße begannen zu rennen. Marajis Atem brannte in ihrer Lunge als sie schneller rannte als jemals zu vor in ihrem Leben. Der Wolf, immer noch gut zweihundert Schritt vor ihr, wurde ebenfalls schneller und rannte nun durch die Büsche in den Höhleneingang. Marajis Blut begann zu kochen. Ihr Herz raste und in ihr stieg ein Zorn auf den sie vorher noch nie gespürt hatte. Zorn und Eifer. Dieses Vieh wird meine Tochter nicht töten! Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Ihr Tempo nahm zu. Als sie die Büsche erreichte hörte sie Gjinja vor Angst weinen. Das und ein neuerliches Knurren des Wolfes. Maraji sprang, beflügelt durch das Weinen ihrer geliebten Tochter, durch die Büsche. Daß sie bisher noch nie gegen einen Wolf, oder überhaupt etwas anderes als den ein oder anderen Hai gekämpft hatte, spielte in diesem Moment keine Rolle. Ihre Augen stellten sich blitzschnell auf die dunklen Schatten der Höhle ein. Da war der Wolf. Er schlich lauernd auf Gjinjas Felsen zu und setzte gerade zum Sprung an. Marajis Arm bewegte sich wie von selbst als das Raubtier absprang. Die Machete flog kreiselnd durch die Luft. Gjinja schrie vor Angst. Die Leiche des Wildhunds fiel zu Boden. Ein leises Röcheln war das letzte was der Wolf von sich gab als die Machete in seinem Nacken zum Stecken kam. Ein Tropfen Blut des Tieres rann durch Gjinjas Gesicht. Maraji rannte zu ihrer Tochter und schloß sie fest in die Arme. „Mamma wieda da, aye! Un da Wolfen macht min Sonn’nschain kain Angst mea!“. Maraji drückte Gjinja fest an sich. Ihre Tochter beruhigte sich langsam. Und nach und nach realisierte Maraji das sie gerade einen Wolf erlegt und damit ihrer Tochter gerettet hatte. Sie hatte ihre Tochter nicht enttäuscht. Gjinja konnte ihrer Mutter vertrauen! Doch neben diesen Gedanken drängte sich ein zweiter: sie hatte die Anweisung ihres Männchens nicht befolgt. Wenn sie nun nach Hause gingen… Ganjin’zul würde sie sicher beide erschlagen.

Maraji setzte sich auf den Felsbrocken, Gjinja auf ihrem Schoß, und dachte nach.

Die Sonne versank im Meer am Horizont und die Sterne zogen ihre Bahnen über den Nachthimmel und Maraji saß in der Höhle und dachte nach. Gjinja atmete sanft und gleichmäßig an ihrer Brust und schlief ruhig in ihren Armen. Als die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne das Innere der Höhle mit Licht fluteten lächelte Maraji. Es dauerte nicht lange und Gjinja erwachte. Maraji blickte Gjinja tief in ihre neugierigen Augen und sprach freundlich und mit einem Lächeln auf den Lippen: „Gutan Moagn min Sonn’nschain! Heut habn wia was ganz besondars voa!“ sie tippte Gjinja mit der Kralle auf die Nasenspitze und strich ihr die roten Haare aus dem Geschicht, „heut leant da Gjinja wie Mamma Fische jagt! Un danach…“ Maraji streichelte mit der Klaue über den Rücken und führ leiser fort „danach spieln wia Trolls un Murlocs un dia darf sich in Festung vastecken. Da baun wa dia ne schön Festung hia in da Höhlens, aye?…“.

Maraji und Gjinja gingen Fischen. Und nach dem Essen baute Maraji eine kleine Mauer aus Steinen vor den Höhleneingang und zeigte Gjinja wie man sich gut dahinter versteckt. Am Abend dieses Tages verlies Maraji die Höhle und ihre Tochter. Jedoch nicht mit schwermütiger Trauer sondern mit Freude und einem Lachen. Gjinja saß hinter ihrer kleinen Mauer und schaute ihrer Mutter nach. Als Maraji außer Sicht war kroch Gjinja zu dem kleinen Lagerfeuer das ihre Mutter ihr entzündet hatte und dachte an alles was Maraji ihr eingebläut hatte. Hungrig aß etwas von dem weichgekochten Wolfsfleisch das Maraji mit den frischen Fischen zurückgelassen hatte. Spät in der Nacht wickelte sich Gjinja in das große Wolfsfell und schlief unruhig ein.

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