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von Dyande <Anthor Dandiel>

Lik'lik lachte brüllend, voller Faszination über umherwirbelnde Innereien und Hautfetzen. Kleine Sprengladungen in ranzigen, fauligen Fischkadavern. Ja, das war genau sein Fall. Die Mittagssonne heizte den rötlichen Sand der Küste schon langsam auf eine schmerzhafte Temperatur auf. Es war Essenszeit und jäh durchstieß ein Schrei von den Hütten her das Rauschen der Brandung und das Geräusch von herabregnenden, stinkenden Fischgedärmen. "Kröte! Essen! Komm'su endlich, Göre!"

Mama hatte gekocht, und das Gekochte musste nun verputzt werden. Auch, wenn es so den Anschein hatte, Lik'lik war kein Welpe mehr. Er war eigentlich schon erwachsen. Fast, zumindest. Eine junger Erwachsener. Aber wieso sollte er auf den Luxus verzichten, eine Mutter zu haben? Die ganze Familie hockte um die Kochstelle herum. Mama, Bruder und Lik'lik. Papa war weg. Er wollte einmal fischen gehen und wurde wohl von den Soldaten in dieser komischen, großen Steinhütte in Scheibchen geschnitten. Das passiert vielen.

Sein Bruder Korhe war wieder auf Konfrontationskurs. Ständig langte er nach den Krabbenstücken, die eigentlich Lik'lik essen wollte. Es war typisch, sobald die beiden miteinander leben mussten, gab es immer nur eine hauchzarte Grenze zwischen angespannter Stimmung und einer blutigen Auseinandersetzung. Da brach schonmal ein Hauer ab, Haare gingen büschelweise verloren, ein Finger fehlte mal. Typisch Geschwister, eben.

Doch diesmal nicht. Lik'lik gab sich mit mordlüsternen Gedanken zufrieden. Er würde ihm die Augen ausreissen und sie aufessen. Nein, er würde ihm erst ein Auge ausreissen, damit Korhe mit dem Übriggebliebenen zusehen kann, wie Lik'lik es zufrieden grinsend zerkaut. "Mama, Kröte geht heut'se nach de Tal von de Prüfungens, he", petzte der Bruder mampfend. Lik'lik wäre ihm dafür beinahe wirklich an die Gurgel gesprungen. "Wirda schon seh'n, was'da hat davon, dummes Welp'se.", erwiderte Mama, als wäre Lik'lik nicht im Raum. Aber es war klar, dass der junge Troll das irgendwann tun würde. Papa hatte ihn auf die dumme Idee gebracht. Alle dummen Einflüsse kamen von ihm, meinte Mama. Er konnte ja eh nichts mehr dagegen sagen.

Mama wandte sich Lik'lik zu und durchbohrte ihn kühl mit ihrem vorwurfsvollen Mutterblick. "Gib'su deina eigen's Blödheita nach und stü'ss dich in Krieg, eh?", raunzte sie beleidigt. "Shiig...! Hab' ich immer gesag', will's ma tun...", murrte er kleinlaut zurück. Mama drehte sich wieder weg und machte auf Uninteressiert. Das Thema kam das ganze Essen über nichtmehr auf.


Nach einem ausgiebigen Verdauungsschlaf im Schatten neben der Hütte tunkte Lik'lik erstmal seinen Kopf halb in die Regenpfütze, die mittig im Dorf vor sich hin moderet. Sand, Fischreste und kleine Krabben schwemmte er aus seinen zotteligen, weißen Haaren. Anschließend band er sie zu einem dicken Bündel und warf sie sich über die Schulter. Er murrte. Das viele Salzwasser und die trockene Hitze taten seinen Haare nicht gut. Vor einiger Zeit war ihm sein dick zusammengebundenes Haarbündel über Nacht abgebrochen, so kaputt waren sie schon. Das sollte ihm nie wieder passieren, peinliche Wochen waren das danach. Er war das Gespött des ganzen Dorfes. Es war ein Fußmarsch von etwa einer halben Stunde bis in das Tal der Prüfungen. Vermutlich würde er noch vor der Dämmerung wieder da sein.

Lik'lik stand unten an der wackeligen Holztreppe, die in seine Hütte hoch führte. Sollte er sich verabschieden? Mama würde wieder nur schimpfen und vielleicht wäre sie auch traurig, dass er geht. Vielleicht würden sie ihn gleich dortbehalten und er käme lange Zeit nicht wieder hierher zurück. Durch die ganze Grübelei entging ihm, dass seine Mutter sich oben auf die Treppe gesetzt hatte. "N'du geh's nun fo'd von 'ier, Kröte?", sprach sie leise und ruhig. Die Beine hatte sie an sich gezogen, ihre Arme darum geschlungen und bettete ihren Kopf auf ihre Knie. Sie blickt ihn ausdruckslos an. Lik'lik nickte stumm. "N'komm'su bald wieder?", fuhr sie leise fort. Er nickte abermals. "Gib Ah't, Baby. Füh' Mama." Und mit dem dritten Nicken setzte sich Lik'lik etwas gebückt in Bewegung, richtung dem schmalen Trampelpfad, der nach Westen zur Straße führte.

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