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Margreth Tiffen III: So weit es geht Teil 2

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Qsicon Exzellent.svg Dieser Artikel wurde am 29. Mai 2017 als Spotlight der Woche vorgestellt.

VI

Sie macht sich einige Stunden später auf den Weg, nachdem sie sich vergewissert hat, dass der Schankraum so gut wie leer ist. In den Straßen und Tunneln sind nur wenige Gestalten auf den Beinen und die Geschäfte haben zum größten Teil geschlossen. Das ständige Tropfen der feucht-schwitzenden Wände und das Gluckern der Kanäle ist fast das einzige Geräusch, sieht man von Margreths schweren Stiefeln auf dem Kopfsteinpflaster ab.

Sie hat ihre Rüstung angelegt und ihren Bügelhelm aufgesetzt, ihr Schwert an der Seite und den Schild an den linken Arm geschnallt. Der Vorteil ist, dass der Rundschild das Kind verdeckt, während sie es trägt. Das Kleine gibt hin und wieder leise Geräusche von sich, aber alles in allem ist es still. Margreth atmet auf, als sie die noch etwas belebteren Plätze hinter sich lässt. Ein schreiendes Kind bringt man um nichts in der Welt zur Ruhe, ganz egal wie wichtig es ist. Aber sie hat Glück (sie haben beide Glück) und es ist still. Niemand scheint ihr zu folgen oder sie überhaupt zu bemerken.

Der Eingang zu den Kanälen von Undercity, die seitlich aus der Stadt heraus nach Tirisfal führen, befindet sich an einem halbrunden Platz, der kaum mehr als eine Verbreiterung des Tunnels darstellt. Er ist von zwei Monstrositäten bewacht. Die riesigen, aus Leichenteilen zusammengesetzten Wesen blicken sich träge um, verharren genau an Ort und Stelle und halten locker die mächtigen Äxte, die man ihnen als Waffen gegeben hat. Eiter, Balsamierungssekret und ein wenig Verwesungsflüssigkeit tropfen ab und an aus ihren Nähten. Margreth mustert sie nachdenklich und fragt sich, wie es jetzt weitergehen soll. Sie blickt sich nach dem Blutelfen um … und stellt fest, dass er schon neben ihr steht.

Thessin ist in die gleiche dunkle Kleidung wie tagsüber gehüllt. Aber jetzt steht er in einer geduckten, seltsam federnden Position, die ihn auf gewisse Weise noch unwirklicher aussehen lässt. Margreth nickt ihm zu und lächelt ein wenig nervös. Schurken haben ihre ganz eigene Art von Magie und sie hat schon gesehen, was die Guten unter ihnen ausrichten können.

Sie kann nur hoffen, dass er verlässlich ist.

„Oh hallo Herr Thessin“, wispert sie. „Tja, da bin ich.“

„Mhm.“ Der Elf lässt seinen Blick über das Bündel in Margreths linker Armbeuge gleiten. Er sagt einige Momente lang gar nichts. Dann: „Ein Menschenkind?“

„Ähm ja. Ja also vergesst nicht, dass wir ein Geschäft haben, ja?“ Margreth reicht ihm die zugesagten zehn Goldmünzen, abgezählt in einen Lederbeutel. Er nimmt ihn, öffnet, zählt, lässt ihn in einer Tasche seines Gewandes verschwinden.

„Mjah. Wir haben jetzt ein … Geschäft.“

Der Elf geht an ihr vorbei und bedeutet ihr zu folgen. Er tritt in einen Seitengang, geht einfach ins Dunkel vor sich. Margreth folgt ihm, Ab und zu quiekt und quietscht es, während sie vorwärts schreiten. Als ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen, kann sie Ratten sehen, die als graue Schemen vor ihnen davonhuschen. Der Gang ist kaum so breit wie ihre Schultern, aber links und rechts zweigen noch engere Durchlässe ab. In manchen davon sitzen die widerwärtigsten der Verlassen und betrachten sie aus schimmernden Augen, während sie vorbei gehen. Hier muss man keine Wachen fürchten, sondern die, die direkt am Abgrund zur Hirnlosigkeit stehen.

„Hm. Wir beeilen uns besser.“ Die Stimme des Elfen ist recht tief für einen aus seinem Volk. Er sieht sich leicht besorgt um und schreitet einen weiteren Gang entlang. Hinter ihm und Margreth wird das Stöhnen und Murmeln der Ausgestoßenen lauter. „Ich denke eure Geschwister riechen eure Beute, Verlassene.“

„Was für Beu… oh!“ Margreth legt eine Hand auf ihren Schwertgriff und blickt sich um. Zehn, zwanzig Schritt hinter ihr bewegen sich in Bodennähe Schemen in der Dunkelheit. Ja, die Ausgestoßenen haben ausgezeichnete Nasen, wenn es um frisches Fleisch geht. Das Kind gibt einen leisen Schrei von sich und hinter ihnen wird das Stöhnen gieriger.

„Das ist keine, äh, Beute. Es ist nur ein Kind.“

„Mhm. Natürlich, wie Ihr meint.“

Sie gehen schneller, das Kratzen knöcherner Hände und Füße hinter ihnen auf dem Boden nimmt zu. Etwas torkelt aus einem Durchgang zur Linken, der Elf wirbelt herum und bewegt sich wie ein flüssiger Schatten. Mit einem Knirschen wird jemand zurückgeschleudert und kracht hohl stöhnend auf den Boden.

„Da entlang. Hm… am besten schnell.“

Der nächste Gang führt zu einer Tür. Margreth sieht, wie Thessin Dietriche von seinem Gürtel zieht und an dem schweren Schloss herumhantiert. Sie zieht ihre Klinge und wendet sich um.

In der Dunkelheit ist kaum etwas zu sehen, aber das Stöhnen und Klicken von Krallen auf dem Boden kommt näher. Sie überlegt, wie sie nur mit einem Kind im Arm kämpfen soll, aber sie kann sich nicht überwinden, es auf den besudelten Boden zu legen. Sie zieht ihr Schwert und stellt sich breit in den Gang. Hinter ihr knirscht das Schloss… und springt auf.

Dann sind sie in einem anderem Gang, in dem grünliche, schimmernde Flüssigkeit durch Vertiefungen im Boden rinnt. Moose und Flechten bedecken die Wände und schaffen ein unheimliches aber brauchbares Licht. Thessin schlägt die Tür mit Wucht zu und setzt seinen Dietrich ins Schloss.

„Stemmt euch dagegen...!“

Ein harter Schlag trifft die Tür von der anderen Seite und sie fliegt einen Spalt weit auf. Ein Arm tastet durch die Öffnung und eine Hand grapscht nach seine Schulter. Ein angelaufener Bronzering liegt um einen der skelettierten Finger, grau gewordenes, ölig schimmerndes Fleisch bedeckt die Knochen und Sehnen nur noch hier und da. Die Fingernägel sehen unmöglich lang aus, weil ihre Ansätze freigelegt sind.

Der Elf schreit halb wütend, halb verletzt auf und versucht die Tür zuzustoßen. Aber der Arm hält ihn gepackt und weitere verweste, skelettierte Hände greifen jetzt hindurch. Eine streift seinen Hals und versucht sich festzukrallen.

Margreth reißt ihr Schwert hoch, trennt einen der Arme mit einem schnellen Schlag ab, tritt mit Schwung gegen die Tür und klemmt drei, vier weitere Gliedmaßen ein. Dann hebt sie das Schwert wieder und schlägt mit Wucht zu. Eine Stimme kreischt noch, die anderen haben nicht mehr genug Geist, um überhaupt Schmerzen empfinden zu können. Sie stöhnen nur enttäuscht, als ihre Knochen zersplittern und herunterfallen.

„Puh, heiliger Strohsack“. Margreth schlägt die Tür mit Kraft zu und nickt zufrieden, als der Elf sie mit Hilfe seines Dietrichs verriegelt. „Also tut mir wirklich, wirklich leid. Ich wollte euch nicht in Gefahr bringen oder so was.“ Sie lächelt Thessin an und wirft einen Blick auf das Kind in ihrer Armbeuge, das jetzt aus vollem Hals schreit.

„Och Kleiner, is’ ja gut mein Schätzken, jetzt mal ruhig hm? Maggie ist ja da, die bösen Hirnlosen die können dir rein gar nix. Hm? Geht’s dir gut? Ja geht’s dir denn gut, hm? Utzidutzidu ganz tapfer bist du gewesen, jawoll das bist du wirklich gewesen. Und das hier, das ist übrigens Thessin. Der zeigt uns den Weg raus hier wohin wo’s schöner is’, der kennt sich hier allerbestens aus, was sagst du dazu hm? Hm du Süßes? Na was sagst du dazu hm?“

Einen Moment lang herrscht – bis auf das langsam schwächer werdende Schreien des Kindes – Stille. Dann blickt Margreth auf.

„Äh, was ist?“

„Nichts“, sagt Thessin, während er sie weiter ernst und geheimnisvoll anstarrt. „Gehen wir weiter.“ Er wendet sich um und schreitet weiter den Gang entlang.

„Das tut Kindern nun mal gut“, erklärt Margreth fröhlich, während sie ihm hinterher geht. „Ich meine manchmal muss man ihnen einfach was erzählen. Das beruhigt. Ist wie bei unsereinem.“

Sie folgen erst diesem Gang, kommen dann in einen breiteren, gehen eine schleimbedeckte Treppe hinab und biegen nach links. Die Gänge sind fast ein Labyrinth. Ein leichter Luftzug kommt mal von vorne, mal von hinten. Der Geruch ist alles andere als angenehm, aber ein wenig besser als in Undercity selbst. Es riecht nach Pilzen, längst fortgewaschenen Fäkalien und nur sehr leicht nach Verwesung.


Dann wird der Geruch von verfallendem Fleisch plötzlich wieder stärker. Als Margreth um die Ecke biegt, steht sie in einem runden Raum, von dem mehrere schmale und zwei sehr breite Gänge weg führen. Thessin steht an einer der abgerundeten Seitenwände. Entlang der anderen Seite des Raumes stehen ein halbes Dutzend Bewaffnete, Untote in schweren Rüstungen, mit den Waffenröcken der Todeswache an ihren Leibern.

Einer von ihnen hat seinen schweren Helm abgenommen.

Wulfen Thesnith sieht wegen seiner verschrumpelten Lippen immer so aus, als würde er grinsen. Er war im Leben ein großer Mann und ist es auch heute noch – nur dass die Muskeln unter der eingetrockneten, blaugrün schimmernden Haut nun noch deutlicher hervor treten. Seine Füße sind riesig, sein Kettenhemd wölbt sich über der mächtigen Brust. Er hat keines seiner beiden Schwerter gezogen – er scheint sich mehr als sicher zu fühlen, dass seine Leute mit Margreth fertig werden können.


Warum auch nicht? Todeswachen sind erfahrene Kämpfer. Und einer von ihnen ist, wie man deutlich sehen kann, sogar ein Zusammengenähter. Er ist sicher zweieinhalb Schritt groß, noch massiger als Wulfen … und er ist es, der den Gestank ewiger Verwesung gepaart mit dem scharfen Aroma von Balsamierungsflüssigkeit verströmt. Er hält seinen Kriegshammer wie ein Kinderspielzeug in einer Hand mit Fingern, die eindeutig zu verschiedenen Menschen gehört haben.

Wulfen grinst, jetzt nicht nur wegen seines Totengesichtes, sondern auch weil er wirklich amüsiert zu sein scheint. „Margreth Tiffen. Wenn man Undercity verlassen muss, keine Magierfreunde in der Nähe weiß und die Aufzüge versperrt sind… was tut man dann?“

Margreth kann ihn nur anstarren. Das Kind knatscht erneut, vielleicht weil es die Angst seiner Beschützerin spürt. Wulfen fährt genüsslich fort.

„Man versucht es durch die Kanäle, Tiffen.“ Er nickt Thessin zu und lässt seine funkelnden Lichtaugen über ihn gleiten. „Gute Arbeit, Spitzohr.“

„Mhm.“ Thessins Stimme ist ruhig, ernst und ein wenig abwesend. Er sieht Margreth nicht an. „Danke, Herr Thesnith.“

VII

Margreth macht automatisch einen Schritt rückwärts, bis sie mit ihrem Rücken die aus klobigen Steinen gemauerte Wand berührt. Der Elf nimmt Abstand von ihr, aber das ist ihr in diesem Moment völlig gleichgültig. Er hat sie verraten... und das ist nicht einmal überraschend. Sie spürt Wut auf ihn, aber nur weit hinten in ihrem Bewusstsein. Was sie im Moment viel bewusster spürt, ist das quengelnde Kind in ihrem Arm. Die Steinwände fühlen sich um sie herum an wie ein Grab. Als wäre sie eingemauert.

Wulfens Grinsen ist derweil breiter geworden, so dass jeder Zahn in seinem vertrockneten Mund wie ein grau-gelber Stein wirkt. Weder er noch seine Männer machen Anstalten, sich ihr zu nähern. Sie halten den Abstand von vielleicht zehn Schritten und beobachten sie, wie Wölfe ein umringtes Reh beobachten würden. Nur dass Wölfe sowas gar nicht tun, geht es Margreth zusammenhanglos durch den Kopf. Nur Menschen kosten es so bösartig aus, wenn jemand in der Falle steckt.

"Nethomel sagte mir, er habe dich gleich nach dem Aufruhr im Apothekerviertel durch die Stadt hasten sehen."

Wulfens Blick gleitet zu dem Bündel auf ihrem Arm. Er schmatzt mit den Lippen, ein Genießer der es liebt, andere zappeln zu lassen. "Es schien mir eine gute Idee, dich im Auge zu behalten. Dann verschwindet mein guter Freund... und du bestellst einen Schleicher zu dir, der dich durch die Kanäle bringen soll. Einen Blutelfen sogar - wie verzweifelt kann ein Weib werden, Tiffen?

Und ich denke ich kann dir sagen..." Er zieht seine Oberlippe in die Höhe und sein Grinsen verwandelt sich in etwas anderes.... einen wölfischen, hasserfüllten Blick. "Ich kann dir sagen, mir wäre niemand anderes lieber, den ich als Verräter an Sylvanas zu den Apothekern bringen könnte. Die Strafe des Zwölfstündigen Todes, Tiffen. Du wirst um den Tod betteln, lange nachdem sie deine Zunge herausgeschnitten und deine Augen mit Wolle gefüllt haben."

Ein oder zwei der Männer grunzen und lachen. Nein... Margreth korrigiert sich. Mindestens einer von Wulfens Begleitern war einmal eine Frau. Sie lacht heiser und höhnisch, zusammen mit den anderen. Die Todeswachen machen keine Unterschiede im Geschlecht. Für Tote bedeutet es nicht mehr besonders viel. Sie trägt schwere Hand- und Fußketten bei sich, die sie an ihrer Seite herunterbaumeln lässt.

"Ich...." Margreths Gehirn hat ausgesetzt, zumindest für den Moment. Es ist völlig klar, dass sie sterben wird. Was auch immer sie sagt oder tut, wird keinen Unterschied machen. Aber Margreths Mund plappert einfach weiter. Jetzt, wo sie tatsächlich gescheitert ist, ist es für sie unmöglich zu glauben, dass alles hier enden soll. Der Gedanke, dass das Kind wieder in die Hände der Apotheker fällt, ist zu schrecklich um ihn wahrzuhaben. "Ich habe ja ich habe Sylvanas betrogen. Und ich... also ich habe nicht vor mich zu wehren oder euch Schwierigkeiten zu machen, aber..."

"Oh bitte, Tiffen mach mir Schwierigkeiten. Du bist eine Beschützerin, nicht wahr? Professionelle Beschützerin. Willst du einfach mit ansehen, wie wir dir das Balg abnehmen? Willst du dich denn nicht wehren? Kannst du dir auch nur entfernt vorstellen, welch prächtige Gebräue die Apotheker für das Ding da bereit halten, was für schöne Versuche sie schon vorbereiten? Ich kann es mir vorstellen, Tiffen. Ich denke ich werde um eine Sondererlaubnis bitten, jeden Tag sehen zu können, was sie aus ihm machen."

"Es ist ein... es ist ein Er..."

Die Todeswachen glucksen amüsiert, Wulfens Augen funkeln.

"Es ist ein Stück zuckendes Fleisch, blöde Schlampe. Ich habe es zu einem Hauptmann der Todeswache gebracht... und jeder meiner Anträge dich wegen deines Verbrechens in Tirisfal festzunehmen, wurde dennoch abgelehnt. Aber jetzt... habe... ich... dich. Jetzt habe ich dich, Tiffen." Er lässt seine Maske fallen, schreit sie an und schaumiger Speichel fliegt von seinen Lippen. "Jetzt HABE ich dich, Miststück! Einen lebenden Menschen aus Undercity zu bringen, dich gegen Sylvanas zu stellen, deine EIGENEN Leute zu verraten, einen MENSCHEN schützen zu wollen.... JETZT habe ich DICH!"

Sogar seine eigenen Leute sehen Wulfen etwas beunruhigt an. Margreth hebt den Arm etwas an und wirft einen letzten Blick auf das Gesicht des Kindes. Sie spürt, wie sich ein devotes, verzweifeltes Lächeln auf ihre Lippen stiehlt. Sie beginnt zu nicken wie verrückt.

"Ja... jaja ich weiß es war ein Fehler dich damals anzugreifen Wulfen... ich weiß das... hätte ich nicht tun dürfen das war falsch also... aber... jaja also du hast mich jetzt du hast mich ja also warum nehmt ihr mich nicht einfach mit? Oder du bringst mich nicht nach Undercity, du behältst mich hier denn äh zwölf Stunden sind doch nichts also zwölf Stunden das ist doch ein Klacks und wenn niemand weiß wo ich bin dann könntest du dir noch viel mehr Zeit nehmen, also dir mehr Zeit nehmen und es mir heimzahlen wie du willst und, aber das Kind... also das Kind brauchst du doch nicht einmal. Ich habe ja Gold in den Taschen, das kannst du haben, und du wirst sicher gut bezahlt also was bedeutet dir schon die Belohnung?? Also doch nicht viel, nicht wahr?? Nicht wahr??? Du hast mich ja, du hast mich wirklich du hast mich aber das Kind kannst du einfach in Frieden lassen, du könntest es einfach vergessen und man könnte es hier fort bringen... und ich würde also ich würde kriechen oder alles tun was du willst alles was du willst verstehst du egal was es ist ich würds tun wenn du nur in dieser kleinen Sache... also es würde zeigen dass du deine Rache bekommen hast du kannst Großmut zeigen und du kannst mir alles antun, übrhaupt alles, alles was du dir vorstellen kannst und... ich..."

Margreth kann sehen, wie sich Gier und Hass, Fassunglosigkeit und Ekel in seinem Gesicht vermischen. Sie kann auch sehen, dass er weiß, dass sie jedes Wort ernst meint.

"Was.... bist du nur für eine Missgeburt. Fortbringen? Wohin wolltest du das Balg denn fortbringen, du wahnsinniges Stück? Was hast du gedacht, wie weit du kommst??"

"Zu Menschen. Vielleicht nach Süden, zu Menschen... also..." Margreth sieht sich hektisch um und ihr Blick fällt auf den Elfen Thessin, der sie aus einigen Schritt Entfernung mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck betrachtet.

"Er kann es ja nehmen!" Sie macht einen Schritt auf ihn zu, das Kind erhoben, das zu weinen begonnen hat. Jetzt ist Thessins Gesichtsausdruck deutbar: Überraschung und Erschrecken lassen seine Augen weiter werden.

"Was?!?"

"Nehmt es, bitte!" Sie geht noch einen Schritt auf ihn zu, er stolpert unbeholfen rückwärts und hebt abwehrend die Hände.

"Was... nein!!"

"Nehmt es nehmt es doch bringt es in Sicherheit!!"

"NEIN!" Thessin stößt nun seinerseits mit dem Rücken an die Wand. Das scheint ihm wieder etwas Stabilität zu verleihen. Er atmet schnell und schwer und starrt verwirrt, mit harten Augen, direkt in Margreths Gesicht.

"Warum... schützt eine Untote ein Menschenkind... wenn sie es gar nicht verkaufen will." Die Stimme des Elfen ist äußerst ruhig, aber Schweiß steht in dicken Tropfen auf seiner Stirn. Margreth steht direkt vor ihm und zwischen ihnen weint das Bündel, das sie auf den Armen trägt.

"Weil es ein Kind ist." Sie kann nicht verstehen, warum ihr jeder die gleiche, unfassbar dumme Frage stellt und die Panik treibt sie voran wie eine eiskalte Faust. "Bitte nehmt es, nehmt es und bringt es hier weg ich bin euch wirklich nicht böse versteht ihr? Ist nicht schlimm, ist alles in Ordnung aber bringt es einfach fort von hier und gebt es dem ersten Menschen den ihr trefft und dann..."

"Genug." Wulfens Stimme ist äußerst scharf. "Hör auf mit diesem Unsinn, Tiffen. Leg es hin. Knie dich daneben. Deine Arme auf den Rücken. Wir legen dich in Ketten. Die Apotheker warten auf euch beide."

VIII

Margreths und Thessins Blick bleiben noch einen Augenblick lang ineinander verflochten. Dann senkt der Elf den Blick und sie weiß, dass er ihr nicht helfen wird. Sie geht in die Knie, legt das Kind auf den Boden. Sie schaut zu ihm hinauf und ein schwaches, freundliches Lächeln stiehlt sich auf ihr vertrockneten Lippen. Diesmal ein echtes.

„Ist wirklich alles in Ordnung, Herr Thessin. Ich weiß, manchmal kann man einfach nichts tun. Macht euch keine Sorgen, ist nicht Eure Schuld.“

Als hinter ihr die Ketten klirren und sich Schritte nähern, legt sie bedächtig die Hand auf den Griff ihres Schwertes. Sie kann hören, wie Wulfen und seine Leute blank ziehen. Sie schließt die Augen, gönnt sich einen kurzen Augenblick der Konzentration und spürt wie die alte Ruhe in ihrem Kopf Einzug hält.


Sie wollte nur Erdbeeren kaufen. Sie hat sich gelangweilt, sie hatte Appetit auf etwas anderes zu essen als schal schmeckendes Fleisch und gebratene Pilze. Und nun steht sie hier und ist von Feinden umzingelt. Jemand ist auf sie angewiesen. Niemand anders wird helfen. Es gibt keine Hoffnung, nur ihre Rüstung, ihre Waffen und sie selbst. Zumindest weiß eine professionelle Beschützerin in einem solchen Moment wieder, was sie zu tun hat. Durchhalten. So weit es eben geht.

„Meister Thesnith, ihr Vorschlag ist doch nicht dumm.“ Das ist der Elf, dessen Stimme wieder so arrogant, ruhig und fein artikuliert klingt wie zuvor. Margreth öffnet die Augen. Er ist einen Schritt nach hinten getreten, von ihr weg, zwischen zwei Säulen. „Was auch immer zwischen dieser Frau und euch vorgefallen ist, eure Rache wird euch niemand mehr nehmen. Das Menschenkind könnte…“

„Halt dein Maul, Elf. Du bist bezahlt worden. Du kannst verschwinden. Verlass Undercity noch heute, bevor ich deinen räudigen Balg morgen in ein Verlies werfen lasse.“

Margreth kann sehen, wie Thessins Gesicht erstarrt und seine Unterlippe zuckt. Nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann bemüht er sich um ein Lächeln, das aber für seine Verhältnisse hart und verärgert wirkt. „Ich ehre eure Befehlskraft im Namen eurer Herrin Sylvanas, doch es ist allgemein üblich…“

Wulfens Stimme ist laut und wütend, als er Thessin erneut unterbricht. „Ich sagte du kannst verschwinden, Warmfleisch!“

Hinter Margreth haben die Schritte angehalten. Wulfens Männer stehen direkt hinter ihr, fassen sie aber noch nicht an. Sie bleibt in ihrer hockenden Position, blickt kurz zu dem weinenden Kind, dann zu Thessin. Sie spürt, dass auch die Aufmerksamkeit der anderen auf ihn gerichtet ist. Es ist sein Gesicht… die Härte und Verachtung, die jetzt aus seiner sonst so neutralen Miene strahlt.

„Nun gut“, erklärt er, und nickt bedächtig. „Ich verschwinde.“

Er tritt einen weiteren Schritt zurück, aus dem Licht der Fackeln heraus und ganz in den Schatten zwischen den Säulen. Jetzt ist nur noch sein Umriss zu sehen… nein nicht sein Umriss. Man könnte es für seinen Umriss halten, aber nach dem ersten Blinzeln erkennt man, dass man nur noch die unregelmäßig geformte Steinwand hinter ihm anschaut. Er ist fort.


Und dann ertönt ein geradezu träges „Wupp-Wupp“-Geräusch und ein schwerer Wurfdolch fliegt aus der Dunkelheit heraus, dreht sich zwei, dreimal um die eigene Achse, rotiert über Margreth hinweg und schlägt in das Gesicht der Frau, die die Ketten in der Hand hielt.

‚So weit es geht’, ist gerade ein wenig weiter geworden.

Margreth wirbelt herum, stößt sich vom Boden ab in die Höhe, reißt ihr Schwert aus der Scheide, während die Kettenträgerin ohne ein Wort oder einen Laut der Länge nach rückwärts auf den Boden schlägt. Der Krieger hinter ihr hat ohne Zweifel damit gerechnet, dass Margreth angreifen würde – aber jetzt ist er abgelenkt. Er pariert mit seinem Streitkolben und stößt einen erstaunten Schrei aus, als die Wucht von Margreths Schlag seine Waffe nach hinten schleudert und seine Deckung öffnet. Er blickt in ein wütendes, verbissenes Gesicht, aus dem die Augen grell wie Lampen herausstrahlen.

Es ist das Letzte, was er jemals sehen wird. Sie stößt ihren Schild mit aller Kraft ihres Zorns nach vorne und durchtrennt ihm damit den Hals. Sein Kopf und sein Körper fallen.

Zwei weniger.

Dann ertönen überall Schreie – Wulfens Kommandorufe klingen mehr als aufgebracht – schwere Schritte und das Gepolter von Stiefeln auf dem Boden. Das Kind schreit, die Männer schreien und ein wildes Tier gibt ein schreckliches, hasserfülltes Brüllen von sich. Während Margreth die Pike eines Angreifers mit ihrem Schild wegstößt begreift ein Teil von ihr, dass sie selbst diesen heiseren, wütenden Urschrei von sich gibt der von den Wänden widerhallt wie der einer Drachin. Er kommt sehr tief aus ihrem Innersten und trägt alles an Verbitterung, Enttäuschung, Wut und Zorn über diese ungerechte, brutale, harte, schreckliche Welt zum Ausdruck, das sie jemals empfunden hat. Sie rammt dem Pikenträger ihren Schild gegen den Schädel, dreht sich seitwärts und durchbohrt ihn mit ihrem Schwert. Sie stößt ihn mit Kraft weg gegen einen anderen, als wäre er eine Puppe. Drei weniger.

Als der Zusammengenähte mit erhobenem Kriegshammer auf sie zustürmt, senkt sie den Kopf und stürmt ebenfalls. Die Klingen von ein, zwei anderen streifen sie, aber das hält sie nicht auf. Sie krachen aufeinander- Er grunzt laut, vermutlich wundert er sich darüber, wie sich ein so schmales Wesen so hart anfühlen kann. Der Hammer trifft ihre Hüfte und drückt ihre Rüstung ein. Dann schlägt sie ihm die Faust, mit der sie ihr Schwert hält, ins Gesicht, rammt ihren Schild gegen seinen Oberkörper, packt seinen Kehle, während er für eine Sekunde benommen taumelt, drängt ihn, noch immer schreiend wie eine Wahnsinnige, rückwärts gegen die Wand, holt aus und stößt ihre Klinge gerade durch seinen Panzer, seinen Leib und die Mauer hinter ihm. Vier weniger.

Er glotzt sie erstaunt und vielleicht ein wenig erschrocken an, Balsamierungsflüssigkeit tropft von seiner Unterlippe. Er erschlafft. Sie streift ihren Schild ab und fängt seinen Kriegshammer auf, als er ihn fallen lässt. Leicht wie Papier. Sie wendet sich um und zerschmettert einem der Männer, die sich von hinten auf sie stürzen wollten, den Schädel in tausend Stücke, die wie Tonscherben auf den Boden prasseln während er fällt. Fünf weniger.

Sie schreit immer noch wie eine Irre und die anderen weichen vor ihr zurück.

In ihrer Berserkerwut bemerkt Margreth dennoch, dass ein weiterer von Wulfens Männern gefallen ist – seine Kehle wurde durchtrennt, er liegt nahe eines Schattens, bei einer erloschenen Wandfackel. Sechs weniger.

Während die anderen zurückweichen, werden sie von Wulfen zur Seite gerammt, der mit gezogenen Schwertern auf Margreth zusetzt. Seinen ersten Schlag pariert sie, der zweite durchstößt ihre Rüstung und reißt ihr eine Wunde. Wulfen weicht dem Kriegshammer aus und der massive Hammerkopf zertrümmert zur Hälfte eine der freistehenden Säulen. Mörtel und Steinsplitter fliegen durch den Raum. Hinter Wulfen zögern seine Männer und blicken sich suchend um. Thessin erscheint wie aus dem Nichts hinter ihnen, steigt auf, stößt sich seitlich von einer Wand ab, tritt dem Mann gegen den Kopf so dass er stürzt, landet, rollt sich ab und hält dem anderen seinen Langdolch entgegen. Das Gesicht des Elfen ist ruhig und konzentriert. Er zeigt dem Untoten mit der linken Hand eine einladende Geste und legt den Kopf berechnend schief.


Mehr kann Margreth nicht sehen. Wulfen ist schnell. Sie verfehlt ihn noch zweimal. Sie schreit nicht mehr und ihre Arme werden jetzt schwerer. Er schlägt ihren Hammer zur Seite und zieht ihr sein Nebenhand-Schwert über die Schulter – die Rüstung bricht und Kettenglieder regnen auf den Boden. Sie verfehlt ihn wieder, mehr Steinbrocken krachen herunter als sie die Wand trifft. Er macht eine Halbdrehung und schneidet in ihre bereits entblößte Schulter, sie drehen sich umeinander. Als sie zwei, drei wilde Schwünge gegen ihn führt, weicht er verbissen grinsend zurück, bis der Hammerkopf eine weitere Säule trifft und Mauerwerk auf den Boden zu krachen beginnt. Dann stürmt er wieder an und durchbohrt Margreths Leib. Sie befreit sich mit einer weiteren Drehung von der Klinge, tritt ihn von sich weg…


Ein lautes Knirschen ertönt, lauter als alle Schreie, die vorher in der Kammer erschollen sind. Die Säule erzittert kurz, dann zerplatzen mehrere ihrer Steine von einer Sekunde zur anderen in Splitterwolken. Die Decke ächzt und weitere Stücke Mauerwerk schlagen hier und da auf den Boden.


„Wir sollten GEHEN!“ Das ist Thessin. Der Elf rennt zum Kind. Magreths Gedanken beginnen sich zu klären und auch Wulfen scheint entschieden zu haben, dass er nicht von Steinen erschlagen werden will. Nicht einmal, um sich an Margreth Tiffen zu rächen. Er weicht zurück, die Lippen von seinen grau-gelben, schroffen Zähnen zurückgezogen wie die Lefzen eines tollwütigen Hundes, und behält seine Schwerter in Verteidigungsposition. „Später, Tiffen. Später. Schon bald. Du entkommst dieses Mal nicht.“

Das ist das letzte, was sie von ihm über das Grollen der Felsen hinweg hört, als er rückwärts durch einen Torbogen tritt. „Schon BALD!“

IX

Nacht über dem Vorgebirge von Hillsbrad. Die dunklen Tannendickichte des Silberwaldes weichen hier bewaldeten, schroffen Hügeln, über denen Adler und Bussarde kreisen. In den zerklüfteten Landstrichen jenseits der Straßen und Wege herrschen Bären, Wölfe, und gewaltige Riesenspinnen, die mit lautlosen Sprüngen Jagd auf ihre Beute machen.

In einer kleinen Schlucht zwischen zwei Hügeln, verdeckt durch Fichten und Unterholz, hat Margreth ein Feuer entzündet. Eineinhalb Tage sind vergangen, seit sie und Thessin Undercity verlassen haben.

Als ihr am Ausgang der Kanalisation endlich frische Luft über das Gesicht gestrichen war, hätte sie vor Glück weinen können, wenn sie nicht so erschöpft gewesen wäre. Das Kind in ihren Armen hatte unaufhörlich geheult und geschrieen, aber zumindest lebte es. Dann hatten sich Margreth und Thessin an den Abstieg von der Felswand gemacht, an der Undercity erbaut war. Als sie unten standen, wobei die oberiridischen Ruinen der Stadt düster hinter ihnen aufragten, hatte sie in ihre Tasche gegriffen und ihre magische Pfeife hervorgeholt. Hier konnte sie ihr Pferd Martha rufen.

Thessin hatte sie bis zu diesem Punkt begleitet. Als das Pferd erschien, hängte Margreth ihr Schwert an den Sattel (den Schild hatte sie verloren und bei ihrer schnellen Flucht aus der einstürzenden Halle nicht wieder aufheben können) und wandte sich dann zu ihm um – aber er war nicht mehr zu sehen.

„Nun also was schlagt ihr vor? Sollen wir…Oh.“

Margreth blinzelte kurz und lauschte ihrer inneren Stimme. Sie war verletzt und sehr müde, und sie wusste, dass sie sich beeilen musste, wenn sie aus Tirisfal entkommen wollte. Aber sie hatte auch das Gefühl, dass der schleichende Elf noch in der Nähe war. Und er hatte dem Kind das Leben gerettet. Es war einfach nicht richtig zu gehen, ohne wenigstens ‚Danke’ zu sagen.

„Tja, nun. Also ich kann verstehen, dass ihr nichts mehr mit uns beiden zu tun haben wollt. Ich meine, ich hab’ euch in eine Menge Schwierigkeiten gebracht, und das tut mir wirklich leid.“

Sie lächelte in die Dunkelheit, auch wenn er an dieser Stelle, die sie ansah, vermutlich gar nicht stand. „Aber ihr habt Peter und mir sehr geholfen. Also ich meine, ihr habt ihm wirklich das Leben gerettet, denke ich. Dafür wird er euch sicher eines Tages sehr dankbar sein. Und wenn ich das kann, dann werde ich ihm eines Tages auch erzählen, dass ein Elf namens Thessin ihm sehr geholfen hat, als er noch klein war.

Und wenn ich es ihm nicht sagen kann, dann richte ich es demjenigen aus, der es kann. Äh, wenn ich kann.“ Sie griff nach dem Sattelgurt und zog sich auf ihr Knochenpferd. Martha sah sie aus einer dunklen, leeren Augenhöhle fragend an und stampfte mit einem Fuß auf. Früher hatte sie noch versucht wütend zu schnauben und sich wie ein echtes Skelettpferd zu verhalten, Leute zu beißen oder niederzutrampeln, aber Margreth hatte ihr das abgewöhnt. Jetzt schnupperte das tote Pferd mit gelassener Neugier an dem Kind und wartete darauf, dass es losging.

„Also ich wünschte, Ihr würdet bei uns bleiben, Herr Thessin. Wirklich. Ich weiß nicht recht wie es weiter gehen soll und ich weiß auch nicht so recht, ob ich es alleine schaffe Peter lebend hier fort zu bringen. Na ja aber ich verstehe, dass ihr nicht bei uns bleiben wollt. Ich steck’ eigentlich dauernd in Schwierigkeiten, das habt Ihr sicher schon mitgekriegt. Ähm. Wie gesagt.

Also: Alles Gute.“

Sie umfasste die Zügel etwas fester, wollte Martha gerade zum lostraben bewegen, als der Elf neben ihr aus der Dunkelheit erschien. Er sah immer noch äußerst ernst und nachdenklich aus. Er klang ein wenig interessiert, als er sprach. Nur ein wenig.

„Warum… habt Ihr ihn Peter genannt?“

„Na ja weil mir der Name so in den Kopf gesprungen ist. Und jeder braucht einen Namen. Außerdem weiß ich nicht, was seine Mutter gewollt hätte, wie er heißen sollte. Und Peter ist so ein Name, mit dem kann man nicht sehr viel falsch machen, finde ich.“

Sie sahen sich einige Sekunden lang an. Margreth hatte keine Ahnung, warum er sie so anschaute oder was er noch wissen wollte. Sie klimperte abwartend mit ihren hellen Augen.

„Und wohin wollt ihr jetzt, Miss Tiffen?“

„Tja… also sie suchen uns und am Flugturm würden wir keine Chance haben. Dann sind da im Osten noch die Pestländer und da kann ich Peter auch nicht hinbringen.

Also denke ich mir, dass wir jetzt so schnell wie möglich durch den Silberwald nach Hillsbrad reiten, dann kann ich es schaffen, ihn nach Hillsbrad zu bringen. Kennt ihr Hillsbrad?“

Thessin schüttelte stumm den Kopf.

„Na ja das ist eine Siedlung der Allianz, wo es Bewaffnete und Menschen gibt. Da ist er auf jeden Fall vor den Apothekern und ihren Leuten sicher.“

„Mhm. Ihr wollt das Kind… der Allianz übergeben. Warum?“

„Tja ähm weil es wohl am besten Menschen hat, die es aufziehen. Oder?“

Thessin betrachtete Margreth immer noch, als ob sie ein kompliziertes Rätsel wäre das er lösen müsste. „Das ist eine weite Reise. Man wird euch verfolgen.“

„Jo, ich hab’ keine Ahnung, ob wir’s schaffen. Ich denke ich mache einfach weiter soweit es geht“, stellte Margreth fröhlich fest.

Als sie zuletzt nach Süden ritt, saß Thessin bei ihr auf dem Pferd und betrachtet ernst und ein wenig verwirrt die Umgebung.

Und nun hatten sie eine wirklich weite Strecke zurückgelegt, fast ohne zu rasten. Hatten den Silberwald in Windeseile durchritten (Thessin wog nicht sehr viel) und die Brücke ins Hügelland überquert. Die restliche Milch, die Margreth bei sich gehabt hatte, war aufgebraucht und Peter hatte so lange geschrieen, bis er endlich irgendwann knatschend eingeschlafen war. Margreths Seite brannte, wo Wulfen sie durchbohrt hatte und sie fühlte sich ein wenig schwach… aber sie war fast glücklich. Den ganzen Tag lang hatte es in ihrem müden Kopf regelrecht gesungen, so glücklich war sie, Tirisfal hinter sich gelassen zu haben. Die Landschaft war vorbei geflogen, ohne dass sie jemand verfolgt oder angegriffen hätte. Nur zweimal waren ihnen auf der Straße Karren entgegen gekommen, und beide Male hatten sie sich seitlich des Weges in den Wald geschlagen, damit niemand sie sehen würde und eventuellen Verfolgern von ihnen berichten konnte.

Die Sonne ging auf, erhellte den Tag durch hellgraue Wolken und näherte sich wieder dem Horizont, während sie vorwärts preschten.

Aber irgendwann konnte sich Margreth kaum noch auf dem Pferd halten. Und auch Thessin schwankte dann und wann und sackte manchmal für eine Sekunde von hinten gegen ihren Rücken, wenn er für eine Sekunde einnickte. Eine Rast musste einfach sein. Deshalb hatten sie sich eine Einkerbung in den Hügeln seitlich der Straße gesucht und ein kleines Lager aufgeschlagen, als der Abendnebel aufzog.

Sie hatte den letzten Rest Milch aus der Flasche gewaschen und dem Kind mit viel Wasser verdünnt zu trinken gegeben. Der Kleine schien es gewohnt zu sein, nicht viel zu essen zu bekommen und schlief einige Zeit später wieder ein.

Thessin hatte auf der Reise kaum ein Wort gesprochen. Jetzt nachdem er ein wenig Brot gesessen und sich am feuer gewärmt hatte, stand er auf, verzog wegen seines steifen Rückens das Gesicht und stellte sich an den Rand des Lichtkreises, den ihr kleines Lagerfeuer warf.

„Ihr schlaft zuerst. Ich wecke euch später.“

„Ach nein ist schon gut! Schaut mal, ich bin gar nicht so müde und ich bin überhaupt froh, dass Ihr bei uns geblieben seid. Also haut euch ruhig hin und ich…“

„Ihr seht jedoch sehr … geschwächt aus, Miss Tiffen. Ich kann die erste Wache auf mich nehmen. Und wenn uns jemand folgen sollte, dann brauchen wir sehr dringend eine Wache die auch wach ist, wenn Ihr versteht.“

„Ja aber Ihr habt ja schon so viel für uns getan…“

„Hört ENDLICH auf damit.“ Zum ersten Mal verschwand sein beherrschter Gesichtsausdruck. Thessin sah wütend aus. Seine grünen Augen funkelten und seine Hand war – vielleicht unbewusst – in die Nähe des Dolches an seinem Gürtel geglitten.

„Ähm… womit…?“

„Ihr wisst, was ich meine… ich habe Euren Spott nicht hinzunehmen!“

Margreth verstand die Welt nicht mehr. Sie runzelte leicht die Stirn.

„Ja aber also das ist doch kein Spott… was hab’ ich denn gesagt?“

Sie konnte sehen, wie er sich zusammenriss. Dann sprach der Blutelf ruhiger weiter. „Ich habe euch nicht geholfen – ich habe Euch verraten! Warum dankt Ihr mir dafür, dass ich Euch Eurem Feind ans Messer geliefert habe? Das klingt wie Hohn, als würdet ihr mit Absicht einen Sin'dorei verspotten! Ihr wisst sehr gut, dass ich euch für einen Beutel Gold den Apothekern verkauft habe!“

„Äh… aber…“ Margreth gab sich Mühe, die richtigen Worte zu finden. „Also na ja ich meine das war doch nicht schlimm. Ich meine jeder muss in der Welt zurecht kommen. Und leicht ist das nicht, da gibt’s wirklich Sachen die einfacher sind als durchs Leben zu kommen. Man macht manchmal Sachen, die einem nicht gefallen oder die falsch sind, einfach weil man nicht anders kann.

Und als es dann hart auf hart kam, na ja da habt Ihr Euch doch genau richtig entschieden Herr Thessin.“ „Aber vorher habe ich…!“

„Ach vorher“, sagte Margreth abwinkend. Sie lächelte ihn an. „Vorher, wen interessiert denn das? Ich mein’, in jedem gibt’s tief drin ein gutes Herz. Und na ja also ihr habt geholfen als Ihr gesehen habt, dass jemand Hilfe braucht. Und darauf kommt’s an.

Also mach’ ich mich nicht über Euch lustig, sondern ich bin eben dankbar weil ich ohne euch jetzt zu Tode gefoltert werden würde. Und weil Peter ohne euch…“ Sie warf einen Seitenblick auf das schlafende Kind. Thessin dachte einen Moment lang nach. Sein Gesicht wurde wieder so ernst und verschlossen wie zuvor. Die Spannung schien für diesen Moment aus ihm zu weichen.

„Gut. Aber…. Schlaft jetzt. Bitte.“

Also überließ sie ihm die erste Wache.

[Wie es weiter geht erfahren Sie in Margreth Tiffen III: So weit es geht Teil 3 ]

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