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Qsicon Exzellent.svg Dieser Artikel wurde am 18. November 2013 als Spotlight der Woche vorgestellt.
Information Hier geht's zu Teil 1 von Qu'aath über Lanzenspitze.

IV

Qu'aath ist ein Spiel, in dem es grundsätzlich vier Farben gibt - darüber hinaus allerdings eine große Anzahl von Einzelkarten, die je nach Kombination und Situation sehr kreativ eingesetzt werden können (wobei die Stonard-Regeln in mancherlei Hinsicht strikter sind). Die sieben Karten, mit denen die Spieler beginnen, können sich schnell vermehren oder auch an Zahl abnehmen. Ihre Anzahl sagt nicht zwangsläufig etwas über den Verlauf des Spiels aus - man gewinnt Qu'aath nicht, indem man seine Hand leert.

Zu bemerken ist noch, dass interessanterweise die wichtigste Karte des Spiels, die Lanzenspitze, alleine nahezu wertlos ist. Mama Jippa wachte auf. So weit, so gut.

Wenn man allerdings schwere Kopfverletzungen und Frakturen, Prellungen und Blutergüsse davon getragen hat, dann ist das Aufwachen ein anderes Aufwachen als das Aufwachen an einem sonnigen Morgen in einem weichen Bett. Es ist eher ein Auftauchen aus einer öligen, schwarzen, klebrigen Flüssigkeit, in der man versunken war. Eben die Rückkehr aus einer ziemlich üblen Bewusstlosigkeit, die auch der Tod hätte sein können. Andererseits sind solche Erklärungsversuche und Metaphern recht sinnlos. Solange man nicht selbst derart brutal und rücksichtslos verdroschen worden ist, dass man fast gestorben wäre, kann man ohnehin nicht mitreden.

Jippa konnte nichts sehen und hatte ein eher unangenehmes Grundempfinden, noch ehe sie sich wieder der Tatsache bewusst war, dass sie sie war. Da man aber, selbst wenn man gerade gar nicht weiß, dass man man selbst ist, nur schwerlich einfach aufhören kann man selbst zu sein, tat sie, was Mama Jippa in einem solchen Fall klugerweise tun würde - sie blieb sehr still liegen und stellte sich weiterhin bewusstlos.

Langsam aber sicher kehrte das Bewusstsein nun also zurück, tröpfelte sozusagen in ihren schmerzenden Kopf und begann ihn mit ihrem Charakter, ihren Empfindungen und ihrer Persönlichkeit zu füllen, die erstaunlicherweise nicht ausgepustet und zur Insel Jahjah geschickt worden war. Mit dem Bewusstsein kamen die Schmerzen.

Ihr Schädel tat ihr weh, und zwar nahezu überall. Sie war sich ziemlich sicher, dass eines ihrer Augen entweder komplett im Eimer oder zumindest völlig zugeschwollen war. Ihr Kiefer pochte höllisch. Ihr ganzes Gehirn dröhnte mit jedem Herzschlag. Ihre rechte Schläfe war offensichtlich aufgeplatzt und jetzt halb verkrustet. Dann war da noch ihr Hals... jemand musste sich irgendwie mal kurz drauf gestellt haben, und zwar vermutlich nicht aus Versehen, und wenn sie dieses Stück Dreck jemals in die Finger bekam, dann würde sie sich aus seinem Eiersack einen neuen Geldbeutel machen, das hatte sie soeben spontan beschlossen, mann.

Ihr Rücken tat weh. Ihre Rippen taten weh. Mindestens eine davon stach bei jedem verfoohkten Atemzug und war offensichtlich gebrochen. Ihre Beine taten weh, ihre Füße taten weh und natürlich tat ihr Brustkorb VERDAMMT weh. Genau, da war doch was. Sie erinnerte sich entfernt an einen Pfeil, den irgend einer von Brackos abgekackten Freunden in sie hinein geschossen hatte. Das Erstaunliche war, dass es so viele Schmerzzentren an einem einzigen (schlanken, attraktiven) Körper geben konnte, die sich alle einzeln bemerkbar machten und doch zum Großen Ganzen beitrugen - dass sie sich nämlich richtig beschissen fühlte.

Nachdem sie sich in diesem Punkt sicher war, erweiterte sie ihre Aufmerksamkeit auf ihre besondere Situation. Die war auch nicht wirklich erquickend. Klar, sie hätte in einem kleinen, lichtdurchfluteten Palast aufwachen können - gewaschen, eingecremt, bandagiert und versorgt, wo ihr ein Troll-Prinz erklärte, dass er sie gerettet hatte, sie jetzt mit Trauben füttern und ihr später heißes Fookah ganz nach ihren Wünschen bescheren würde, sobald sie ausgeheilt war. Aber no, die Karten waren irgendwie anders verteilt worden. Zum einen lag sie schonmal nicht in einem Bett, sondern auf dem harten, dreckigen Urwaldboden. Ihre Klamotten waren noch feucht vom Regen. Und sie waren schlammverkrustet.

Das Ding, wegen dem sie nichts sehen konnte, war scheinbar ein Sack über ihrem Kopf - klasse. Das Ding, das in ihrem Mund steckte, war scheinbar ein Lederknebel - klasse. Und die Begründung der Tatsache, weshalb sie ihre Arme in dieser verfoohkt unbequemen Position auf dem Rücken hatte, waren offenbar Stricke, mit denen man ihr die Hände auf den Rücken und dann die Arme an den Oberkörper gefesselt hatte.

Na klasse. Da wusste jemand, wie man es Leuten im allgemeinen und Magiern im Besonderen bequem macht.

Entweder stand der Trollprinz also auf ziemlich exotische Spielchen, die man eigentlich echt vorher absprechen sollte. Oder ihre Lage hatte sich seit ihrem Abtritt aus der bewussten Welt nicht wirklich verbessert.

In der Nähe waren Stimmen zu hören. Ein Gnoll jaulte etwas ziemlich Verschliffenes von "Auhufbrruch" im Sumpfdialekt. Andere unterhielten sich durcheinander, eine Reihe von parallel geführten Gesprächen. Kochgeschirr klapperte, Kram wurde zusammengepackt. Schritte kamen näher. Jippa stellte sich so bewusstlos wie man sich nur stellen kann.

Ein harter Tritt traf ihre Seite, die gebrochene Rippe meldete sich ziemlich feurig zu Wort und Jippa war ja lässig, na sicher, keine Frage, aber das tat mal nun wirklich so verkackt weh, dass sie grunzte, auf den Knebel biss und sich stöhnend auf die Seite rollte, wobei sie versuchte genug Luft zu kriegen um die Sternchen vor ihren Augen wieder zu vertreiben.

"Is' wach", erklärte ein Goblin in quäkender Tonlage. Dann näherten sich weitere Schritte und jemand beugte sich neben sie. Sie hörte Brackos Stimme ziemlich nahe an ihrem Kopf.

"Ah, Jippa. Wie schön, du lebst." Er klang grimmig, aber gleichzeitig so als würde er eine gewisse Komik in der Situation sehen. Musste man respektieren, hätte Jippa an seiner Stelle definitiv auch. Jetzt aber nicht.

"Und weißt du, das ist wirklich gut", fügte Bracko hinzu, packte ihren Hals und zerrte sie auf die Beine. Sie war sich ziemlich sicher, dass das einen Scheiß bringen würde - sie konnte nicht mal vernünftig atmen, wie zum Henker stellte sich der Idiot vor, dass sie da stehen könnte? - aber tatsächlich kam sie irgendwie auf die Füße. Der Boden schwankte wie ein Schiff und sie wäre wieder umgefallen, wenn Bracko nicht ihre Schulter festgehalten hätte. Sie hätte gerne gekotzt, aber durch die Nase zu kotzen während man seinen Kopf in einem Sack hatte, war vermutlich keine gute Idee. Sie ließ es sein.

"Du fragst dich vermutlich warum du noch lebst, obwohl du drei meiner Leute - einer davon mein Bruder - getötet hast, nicht wahr?"

Oh fuc.ko. Nein, genau jetzt tat sie das nicht mehr. Der Idiot mit dem Wurfmesser war sein Bruder gewesen? Klasse, das bedeutete noch mehr Spaß.Es war klar, was jetzt kommen würde. Jippa bekam das Gefühl, noch sehr viel tiefer im Dreck zu stecken als sie gedacht hatte.

"Der Grund aus dem du noch lebst ist der, dass es ein bisschen schnell gegangen wäre. Wir haben ein Lager, drei Tagesmärsche weiter im Osten. Und dahin nehme ich dich mit." Seine Stimme klang jetzt sehr kalt, grimmig und hart. "In diesem Lager wirst du mir sagen, wofür den den Stein wolltest und wie man ihn benutzt."

Er konnte es nicht sehen, aber Jippa hob eine Braue. Würde sie das?

"Du wirst es mir sagen. Versteh mich nicht falsch, ich werde dich früher oder später an einen Baum hängen und zusehen wie du zuckst und dich beim sterben vollscheißt, bis du dann endlich verreckt bist. Aber dir ist schon klar, dass es in der Zeit bis zu deinem Tod so oder so laufen kann? Ich werde dir den Tod schwer machen, weil du meinen Bruder getötet hast - aber wenn du mir nicht die richtigen Antworten gibst, mache ich ihn dir noch viel, viel schwerer. "

Jippa gab ein leises Grunzen von sich. Da hatte er einen Punkt gemacht.

"Dazu kommt: Du hast gesehen, dass ich Trolle in meiner Truppe habe. Sie wollen ab und zu ein bisschen Spaß haben. Und ich muss meine Leute bei Laune halten. Ich selbst bezahle Frauen lieber für sowas, aber hier draußen muss mein Trupp nehmen was er kriegen kann." Bracko klang jetzt weniger amüsiert. Fast etwas bedauernd. Minimal. Es schien tatsächlich abartigen Scheiß zu geben, der ihm keinen Spaß machte. "Das verstehst du doch?"

Es ist schwer, mit komplett verschnürten Armen bedeutungsvoll die Achseln zu zucken. Jippa schaffte es trotzdem eine 'Ja sicher, irgendwie schon, was solls, mach dir mal keine Sorgen'-Geste hinzubekommen. Sie würden den Dreckstücken alles zertreten was sie konnte, wenn sie es versuchten. Sie würde es nicht verhindern können, aber hey - ein potenzieller Vergewaltiger, der sich mit blutenden Hoden wimmernd auf dem Boden krümmte und nach seiner Mutter schrie, war besser als keiner. Man musste aus seinen Karten machen, was man konnte.

Vielleicht bot diese Sache sogar eine Chance. Wusste sie nicht sicher, war noch nicht klar, aber würde sich ja zeigen. Immer auf das beste hoffen. So viele verschissene Zitronen, mann.

"Also - wir brechen jetzt auf. Du hältst schön schritt." Bracko legte ihr einen Strick um den Hals, zog ihn zu und führte sie daran sie hinter sich her. "Wenn du das erste Mal umkippst, bekommst du ein paar Tritte. Beim zweiten Mal schneide ich dir was ab. Klingt fair?"

Jippa schaffte das Achselzucken noch ein zweites Mal, aber vermutlich war es jetzt nicht mehr so überzeugend wie grade. Sie konzentrierte sich höllisch darauf, nicht zu stolpern.

Was für ein richtig beschissener Tag.

V

Qu'aath gilt allgemein als hartes, raues Spiel. Das Schach der Menschen ist als "Spiel der Könige" bekannt, Qu'aath dagegen könnte man als Spiel der Halunken bezeichnen. Dagegen spricht allerdings, dass Jaina Proudmoore und Kriegshäuptling Thrall bei ihren seltenen Treffen angeblich, wenn möglich, zumindest eine Partie Qu'aath spielen.

In jedem Fall ist Qu'aath ein Spiel, in dem die Teilnehmer hart gesotten sein müssen. Es gilt: Wer austeilen kann muss auch einstecken können. Und wer von einem anderen Spieler blockiert oder gestürzt wird (etwa durchs Legen einer Schwert 5 und des berühmten Qu'aath selbst, was fast den Wert von Qu'aath über Lanzenspitze erreicht) der wird, wenn er ein guter Qu'aath-Spieler ist, mit großer Gelassenheit auf seine Niederlage reagieren.

Immer schön einen Fuß vor den anderen setzen. Die Füße hoch heben um nicht über irgendwelchen Scheiß am Dschungelboden zu stürzen. Ruhig atmen, auch wenn sich dabei jedes Mal stechender Schmerz in die Seite bohrt. Nicht auf den dumpf brennenden Schmerz in der Brust achten, wo sie den Pfeil rausgerissen haben mussten, während sie bewusstlos war. Sich nicht davon ablenken lassen, wie verfoohkt heiß es unter dem verdammten Sack war und dass die Hände und Arme langsam taub wurden. Nicht davon stören lassen, dass der verdammte Mensch ständig an dem verdammten Seil reißt. Nicht zu langsam werden.

Jetzt wäre ein kühles Getränk echt klasse.

Sie waren schon ziemlich lange unterwegs, Jippa hatte keine Ahnung wie lange genau. Halber Tag? Dreivierteltag? War wohl auch nicht so wichtig, lange würde sie den Trip eh nicht mehr überstehen. Ihre Beine zitterten, ihr Schädel tat ihr weh. Sie war schweißgebadet und sie hatte völlig die Orientierung verloren. Zwei, dreimal hatte sie sich um ein Haar aufs Maul gelegt, jedes Mal hatte sie sich glücklich abgefangen und war weitergestolpert. Das nächste Mal, da war sie ziemlich sicher, würde das nicht mehr klappen. Der verdammte Mensch wartete natürlich darauf, dass sie hinfiel, was sonst. Seine gelegentlichen Kommentare waren Perlen des Humors, wie zum Beispiel die Frage „Gefällt dir die Reise?“, die er ihr vorhin bei einer verdammt viel zu kurzen Pause fröhlich gestellt hat. Seine Jungs bewiesen ihre gute Stimmung, indem sie über jede seiner Bemerkungen grunzend lachten.

Jippa konzentrierte sich einfach mal so gut es ging auf ihr vornehmliches Ziel, nämlich nicht zu laut zu schnaufen und auf den Füßen zu bleiben. Sie war in einer ziemlich beschissenen Situation, und sie hatte ganz sicher nicht vor, dem Pack auch noch Schwäche zu zeigen. Wäre noch schöner, mann.

Das Denken lief eher zäh und stolpernd ab, ungefähr so zäh wie sie sich grade durch den Dschungel schleppte. Sie wusste verdammt gut, dass sie die nächsten Tage nicht überleben würde. Sicher, Wunder geschehen, aber es sah nicht grade zuverlässig nach Sieg und Erfolg aus. Selbst wenn sie die Fesseln (die verdammt gut geschnürt waren) aufbekommen würde, wenn sie keine Maulsperre mehr hätte und verdammt etwas sehen könnte, dann würden diese Typos sie nicht einfach davon spazieren lassen. Sie hatte selber schon Leute auf die miesesten Weisen umgebracht – zum Beispiel mal mit Fran’ji zusammen einem Kerl die Beine gebrochen und dann eine Stunde lang beobachtet, wie der Typo langsam in einem Sumpfloch unterging. So war das eben, wenn jemand so sicher eingesackt war wie sie jetzt – dann machte man vielleicht noch eine zeitlang Quatsch mit ihm, aber man legte ihn früher oder später jedenfalls um. Sie persönlich war nie so dämlich gewesen, einen Gefangenen nachts unbewacht zu lassen oder einen scharfen Gegenstand in seiner direkten Nähe zu vergessen. Und sie bezweifelte sehr, dass Bracko so dämlich sein würde. Es würde noch ziemlich schmerzhaft werden, Folter und der ganze Dreck eben, und dann würde er sie abservieren.

Na Fucko.

Das war’s also. Jippa überflog kurz ihr Leben und machte eine schnelle Reise durch 39 Jahre in denen sie auf dieser Welt gewesen war. Hey – sie hatte gut gegessen und viel gefeiert, ein paar ordentliche Kerle am Start gehabt und Gold, Reichtümer und Schätze eingesackt, verschleudert und verzockt. Sie hatte Papa Bangos miese Ausbildung überstanden, und sie hatte eine eigene Schülerin ausgebildet, die sogar was taugte. Sie hatte ´ne Menge zu lachen gehabt. Sie hatte eine kleine Armee von Typos überlebt, die sie tot sehen wollten. Sie hatte sich von keinem was bieten lassen, jeden abgefoohkt, der ihr quer kam. Hatte ihr Ding durchgezogen. Wenn sie so zurückblickte, dann war es alles in allem gar nicht schlecht gelaufen. Es war ´ne gute Zeit gewesen, sicher besser als die, die viele andere arme Schweine auf dieser Welt hatten.

Natürlich konnte sie auch nicht umhin sich einzugestehen, dass ein ziemlich beschissener Tod auf sie wartete. Ein Knall hatte es eigentlich sein sollen… tja… würde wohl nur so eine Art gurgelndes Würgen werden.

Sie fragte sich, ob sie es packen würde abzutreten ohne an dem verdammten Strick rumzuzappeln wie ein Trottel, wenn sie sie aufhängten. War doch irgendwie stillos, hatte sie auch bei anderen immer so gesehen. Sie kam langsam zu dem Schluss, dass sie sich die zwei, drei Tage voller Schmerzen ganz gerne sparen und direkt durchstarten würde.

Und so stolperte sie weiter vorwärts, kaum noch fähig mehr zu tun als zu laufen und verdammt noch mal nicht zu fallen, bis sie die nächste Pause einlegten.

„Gut Männer, wir rasten hier eine halbe Stunde“, erklärte Bracko laut. „Esst was, trinkt was, später geht’s weiter. Wir haben noch zwei, drei Stunden Sonnenlicht, die nutzen wir!“

Der Strick um Jippas Hals wurde losgelassen. Männer setzten sich stöhnend hin, ein paar Gespräche wurden begonnen. Rucksäcke raschelten, als Proviant ausgepackt wurde. Niemand kümmerte sich um sie.

Wie viele waren es eigentlich? Sie war ziemlich erledigt gewesen, als sie sie abgestaubt hatten – aber es waren drei oder vier Trolle gewesen, wahrscheinlich Flüchtlinge aus Zul’Kunda oder Zul’Manwe. Dann ein Goblin, ein Gnoll, ein paar Menschen, ein oder zwei Orks. Und ein Gnom oder eine Gnomin, sie hatte seine Stimme während des Marsches ein paar Mal gehört. Und natürlich Bracko, dieser braungebrannte Menschentypo mit dem blonden Pferdeschw.anz und dem Stoppelbart. War zwar wohl nicht wirklich wichtig mit wie vielen sie es zu tun hatte, aber andererseits gab es ihr etwas zum Nachdenken. Dreck, war sie durstig…

Eine schwere Hand legte sich auf Jippas Schulter. Jemand stand neben ihr. Das Seil um ihren Hals wurde gegriffen… sie konnte hören, dass sich mehrere andere um sie herum versammelten.

„Na dann viel Spaß“, hörte sie Bracko aus einiger Entfernung sagen. Er klang etwas mürrisch. „Ihr habt fünfzehn Minuten, dann gehen wir weiter. Ist das klar?“

„Eyah Booos“, sagte der Troll, der seine Pranke auf ihrer Schulter hatte. Er und die anderen schubsten und drängelten sie in eine bestimmte Richtung. Weg von den restlichen Söldnern. Sie schnüffelten an ihr, eine Klaue glitt über ihren Hintern.

Ayah. Der Moment der Wahrheit war da. Jippa spürte, wie sich ein verdammt unangenehmes Gefühl in ihrem Magen ausbreitete. Das war ja wohl mal das Letzte, diese Typos hatten verfoohkt nochmal absolut keinen Stil. Und sie wollte verdammt sein, wenn sie sich hier die Kontrolle abnehmen ließ. Mit wem, verflucht noch mal, glaubten diese Penner eigentlich, hatten sie es zu tun?

Jippa fasste einen Entschluss.

Nach einigen weiteren Schritten waren die Stimmen der restlichen Söldner leiser, gedämpft durch Büsche, Gestrüpp, Lianen und Bäume. Jippa erhielt einen harten Stoß und fiel seitlich auf den Boden. Fuc.ko, ihre Rippe! Was für ein klasse Tag! Sie grunzte vor Schmerz, rollte sich zur Seite, wurde aber von jemandem gepackt und wieder auf den Rücken gedreht. Eine Klaue betastete ihren Oberkörper, ein anderer Kerl versuchte ihre Hose aufzuknüpfen.

„Guutä Boo’bies“, knurrte der Troll, der sie begrapschte, zufrieden. Logo waren das nette Boo’bies, aber sie hatte sich nunmal dran gewöhnt verdammt selbst zu entscheiden, wer die anfasste und wer nicht. Dieser Vogel hatte eindeutig keine Einladung bekommen.

Guter Moment, um Missverständnisse bezüglich ihres Einverständnisses auszuräumen und ihren cleveren Plan zu starten. Sie trat mit etwa halber Kraft nach dem Kerl, der über sie gebeugt stand. Er zischte wütend – und logisch, er und die anderen verpassten ihr eine Reihe ziemlich harter Tritte, um sie ruhig zustellen. Keine große Überraschung, war schon okay so. Sie würgte vor Schmerz, riss sich aber zusammen. Gehörte alles zu ihrem genialen Plan.

Was die Boyos dann nämlich taten war so ein Klassiker, dass Jippa trotz des Knebels grinste. Einer packte ihren Kopf, sie konnte das Sirren eines gezogenen Dolches hören und spürte seine scharfe Klinge direkt an ihrer Kehle.

„Du maa’kst das no’k ma’, du bis’ tot“, sagte der Idiot. Sie grinste breiter – gut dass er’s nicht sehen konnte, danke für den Sack ihr Trottel.

Dass er ein Messer an ihre Kehle hielt, war natürlich eine lässige Sache, sozusagen die beste Chance, die sie hatte. Die Jungs dachten, der Tritt von grade wäre ihr bester Versuch gewesen? Nooo... Es griffen wieder Hände nach ihrer Hose. Sie bemühte sich, ein möglichst realistisch klingendes, ängstliches Wimmern hervorzupressen (klappte aber nicht sehr gut, sie konnte so was einfach nicht, obwohl sie es oft bei anderen Leuten gehört hatte) und hielt still. Noch eine Sekunde… noch zwei… er beugte sich weiter vor… musste jetzt direkt über ihr hocken…

Und dann spannte sie ihre Oberschenkelmuskeln voll an, trat mit aller Kraft zu, direkt nach oben, traf mit der Spitze ihres Fußes, hörte ein befriedigendes Knirschen, ein Luftschnappen und einen gellenden Schrei des verfoohkten Bastards. Hatte sich angefühlt, als ob bei ihm was Wichtiges zu Bruch gegangen wäre. Jippa hörte ihn zur Seite fallen, die Loas um Hilfe anwimmern und sich krampfend hin- und herrollen. Schön, der erste Lichtblick an einem wirklich miesen Tag.

Und sie war mit sich und der Welt im Reinen, sie zog es durch, wie sie verdammt noch mal in ihrem klasse Leben immer alles durchgezogen hatte. Was sollte man Jammern. Man kriegte die Karten, man spielte das Spiel. So lief das eben.

Ihre Kindheit flog vor ihren Augen vorbei, die Gesichter ihrer Eltern, die Sonne über Sen’jin, die weiten Wege die sie bereist hatte, Kämpfe, Feste und Feiern, Gesichter alter Freunde und Feinde, ein paar Betten in denen sie echt Spaß gehabt hatte, die Anduri, ein paar Typos vom Hauch, heftige Siege und schmerzhafte Niederlagen, fremde Landschaften, exotische Städte, Dinge die Leute zu ihr gesagt hatten oder die sie zu Leuten gesagt und die was bedeutet hatten, so oder so.

Okay, das war’s, bin bereit zum Abflug, zurücklehnen und den Start genießen, ich hoffe ihr habt ne Menge Schnaps auf der Insel Jahjah, Babys. Ich komm’ jetzt.

Jippas Augen waren weit offen.

Sie spürte, wie sich der Arm des Trolls mit dem Messer verkrampfte als sein Kumpel zur Seite fiel. Sie bäumte sich auf, riss ihren Kopf nach oben, presste den Hals gegen die Klinge und hoffte, dass er vor Zorn die Nerven verlieren und ihr die Kehle durchschneiden würde. Das scharfe Metall drückte sich in die Haut ihres Halses, er packte ihren Kopf fester. Sah gut aus…

Irgendwo ein Stück entfernt hörte sie Bracko wütend schreien.

Und dann sirrte plötzlich etwas durch die Luft (ein Pfeil?) und noch einer der Trolle, die um sie herumstanden, schrie laut auf. Noch ein Sirren, dann noch eins… Eindeutig, Pfeile. Irgendwo in der Umgebung ertönte ein lauter Kriegsschrei. Nicht von einer oder zwei, sondern einer ganze Menge Stimmen. Trollstimmen. Eindeutig keine Anduri... aber trotzdem, wenn das die waren, nach denen sie klangen, dann war Brackos Glückssträhne gerade abgerissen.

Die Söldner fluchten, das Messer war plötzlich von ihrer Kehle verschwunden, der Kerl der sie gehalten hatte sprang auf und war weg. Büsche und Unterholz knirschten, Stahl prallte nur ein paar Schritt von ihr entfernt auf Stahl, der Gnoll jaulte irgendwo in der Ferne verwundet und die Hölle brach los.

Oh key… sie hatte auch nichts dagegen, noch drei Minuten länger zu leben.

VI

Qu'aath ist ein schnelles Spiel. Der Vorteil kann äußerst schnell von einem zum anderen Spieler springen. Gerade hat man noch eine Beleuchtete Straße gelegt und ist dem Sieg nahe, schon kontert der Gegenspieler mit einer Whuus-Reihe und der Strecken-Sieben und setzt den Vorteil völlig außer Kraft. Das ist in einem solchen Fall natürlich ärgerlich, aber es macht das Spiel auch sehr abwechslungsreich.

Sie zögerte nicht lange. Was auch immer, verkackt noch mal, grade hier abging – es war ´ne gewisse Chance. Irgendwie. Vermutlich.

Hoffte Jippa einfach mal.

Sie hatte sich gerade auf ihrenTod eingestellt, jetzt war die Sache schon verblasst und unbedeutend. Sie und sterben? Fuc.ko mann, wie müde war sie eigentlich gewesen? Hatte sie ernsthaft vorgehabt sich selbst zu killen, so lange noch die geringste Chance bestand, dass sie hier rauskam und ein paar leute bluten ließ? Vielleicht war es einfach nur nötig gewesen jemandem die Hoden zu brechen, damit ihre Lebensgeister wieder erwachten.

Da war natürlich das kleine Problem ihres derzeitig ein wenig beengten Zustandes. So ganz am sicheren Ufer war sie irgendwie noch nicht. Aber langsam baby, eins nach dem anderen.

Also rollte sie sich auf die Seite, kam schwankend auf die Beine und lauschte dem Lärm in der Umgebung. Eine Donnerbüchse knallte – soweit sie sich erinnerte, hatte Brackos Goblin eine gehabt. Zwei, drei Meter neben ihr knurrte ein Troll einen ziemlich üblen Fluch… klang nach Zul’Aman-Dialekt, also wohl einer ihrer Möchtegern-Vergewaltiger. Er wich irgendwas aus, bewegte sich ziemlich schnell. Eine schwere Waffe machte das pochende Geräusch, dass schwere Waffen erzeugen, wenn sie in einen Körper einschlagen. Jemand gurgelte, weil sich seine Lunge mit Blut füllte, ein Ast knisterte, ein Körper fiel schwer auf den Boden. Ein weiterer Pfeil flog an Jippa vorbei und bohrte sich ziemlich nah neben ihr in einen der Baumstämme.

Oh key, nachdenken, aber nicht zu lange: Das war vielleicht eine Gelegenheit zur Flucht… aber WOHIN sollte sie bitte fliehen? Dies war kein kleiner Urwald, ihr Zustand war nicht der beste und sie konnte ihre Arme kaum noch spüren, geschweige denn sich aus diesem Dreck befreien in den sie sie verpackt hatten. Stellte sich also die Frage, ob…

Direkt neben ihr erklang ein ‚Tssiiinnngg’-Geräusch und eine Menge Flüssigkeit spritzte hörbar in die Luft, prasselte danach in dicken, schweren Tropfen runter. Dann schlug irgendwas Schweres auf, gleich gefolgt von irgendeinem Körper.

Oh key, um die Details konnte sie sich eigentlich auch später kümmern.

Jippa wirbelte herum, sprintete los und musste vermutlich völlig bescheuert aussehen, wie sie blind und mit ihren Armen auf dem Rücken durch den Urwald rannte, durch Büsche und Gestrüpp brach und dabei die Beine so hoch riss wie ein verfoohkter Storch, damit sie nicht an Wurzeln hängen blieb. Links von ihr donnerte wieder die Büchse, vorne kämpften mindestens ein Dutzend Leute gegeneinander. Bracko schrie seinen Söldnern zu, sie sollten zusammenbleiben, sich "nicht trennen lassen verdammt!" Ein Troll rief Hakkar in einem ziemlich alten Dialekt um Kraft an, eine große Axt oder Keule krachte auf einen Schild, Speere pfiffen durch die Luft. Jemand rammte ein Totem in den Boden (das Geräusch hätte sie überall erkannt) und Flammen knisterten. Nur ein paar Meter zu ihrer Rechten gab jemand einen gellenden Todesschrei von sich. Überall schienen die Büsche in Bewegung zu sein, überall flog etwas durch die Luft.

Jippa rannte mit Höchstgeschwindigkeit an diesem Kampfplatz vorbei, sie flog wie der verfoohkte Wind, besser jetzt mal raus hier, bevor sie noch einer der Angreifer für ein verwirrendes taktisches Täuschungsmanöver oder so einen Dreck hielt und sie vorsichtshalber umsenste. Sie atmete stoßweise durch die Nase, verfluchte den verdammten Sack über ihrem Schädel und merkte im Rennen, dass ihre von einem der Möchtegern-Vergewaltiger halb geöffnete Hose langsam zu rutschen begann…

Oh klasse, das war ja wohl ein verdammter Witz!

„Zum Abhang, sammelt euch an den Ruinen!“ Bracko klang angestrengt und ziemlich wütend. Er stieß einen Schrei - „Heeeeyaah!“ - aus und sie hörte einen weiteren Troll heiser aufkreischen. Kristall zersplitterte irgendwo hinter ihr… Eiszauber? Vielleicht der Gnom, den Jippa unter Brackos Leuten gesehen zu haben glaubte. Vielleicht auch einer der Angreifer…? Jedenfalls erklangen weitere Schreie.

Okay, ein Abhang, er hatte was von einem Abhang gerufen, hier gab’s also irgendwo einen Abhang wenn sie ihn richtig verstanden hatte und wollte sie da hin zu diesem Abhang oder wollte sie woanders hin oder wo wollte sie…

Jippa hatte plötzlich keinen Boden mehr unter den Füßen.

Einen ätherischen Moment lang hatte sie das ziemlich unangenehme Gefühl in der Luft zu stehen. Ihr dämmerte, dass sie den Abhang gefunden hatte. Sie fluchte herzhaft auf den Dschungel, dieses verschissene Menschenpack das sie in diese Lage gebracht hatte und ihr Glück im Allgemeinen – war zwar wegen des Teils in ihrem Mund für niemanden außer sie selbst verständlich, aber die Tonlage dürfte die Botschaft rübergebracht haben. Dann traf ihr Fuß den ziemlich, verdammt abschüssigen Untergrund, sie konnte nicht mehr bremsen, überschlug sich, machte einen erstklassigen Salto in der Luft, knallte mit ihrem Ar.sch auf den mit Farnen bewachsenen Boden, rollte, schlitterte und rutschte weiter runter.

Unten angekommen blieb Jippa erstmal liegen. Manchmal musste man einfach einen Augenblick eine Auszeit nehmen. Mal vom Alltag abschalten. Fünf grade sein lassen. Mal durchatmen. Sich nich’ hetzen. Die Gedanken treiben lassen.

Okay. Es half nicht. Sie war so verdammt angepisst, dass Durchatmen einen Scheißdreck half! Jippa setzte sich auf, horchte darauf ob in ihrer Nähe Kämpfe zu hören waren und versuchte ihre Arme zu befreien – da tat sich absolut nichts. Scheißverfoohkterdreck wer hatte diese verkackten Knoten geknüpft, Mar'li höchstpersönlich?? Konnte sie jetzt vielleicht endlich sterben ODER aus dieser Scheiße rauskommen?

Der Boden unter ihr fühlte sich steinig an. Also ging sie in die Hocke und tastete mit ihren taub prickelnden Fingern nach irgendwas Scharfem... und stieß auf Gold.

besser gesagt auf eine Tonscherbe. Mehr als eine, mehrere. Schienen hier überall zu liegen. Das war doch was, nicht so gut wie ein Dolch aber ganz sicher nichts worauf sie spucken würde. Sie griff eine mittelgroße Scherbe, fühlte nach einer scharfen Kante, fand eine und fing an an dem Seil herumzuschneiden, das um ihre Handgelenke lag. Ging nicht grade ii'si, aber ging. Ging wirklich so halbwegs. Ging immer noch...

"Da unten! Da unten ist die Trollin! Runter zu ihr, schnell!" Shit, das war Bracko und seine Stimme kam vom oberen Teil des Abhangs. Sie konnte hören, wie Schritte durchs Unterholz brachen, der Kampflärm kam ebenfalls näher. Wieder ein Knall aus der Donnerbüchse, mehr Waffengeklirre, noch ein Todesschrei. Nochmal ein Eiszauber, dann der Schrei eines verletzten Gnoms.

Jippa schnitzte weiter am Strick rum. Die Hälfte hatte sie. Sie blieb sehr ruhig, ließ sich nicht in Panik bringen, damit ihr die verdammte Scherbe nicht vor Hektik aus den Fingern fiel. Locker. Ruuuhig. Es passt, oder es passt nicht. Wenn's nicht passt... so läuft eben das Spiel. Also locker. Ruuuhig.

Sie waren nah bei ihr, sie konnte hören wie der Gnoll jaulend ausrutschte und den Rest des Abhanges runterkrachte. Zwei Drittel des Sticks waren durch...

"Verletzt sie nicht!!!" Das war wieder Bracko. Allerdings musste den Vollidioten irgendwas am Kopf getroffen haben. 'Verletzt sie nicht?' War das eine Art Witz? Wenn sie hier rauskam, würde sie ihm einen Feuerball in seinen Ar.sch blasen der ihn von innen erleuchten würde wie einen verkackten Schlotternacht-Kürbis... Jemand rammte sie. Oder besser gesagt, jemand zerrte sie im vollen Lauf mit. Mehrere Leute hatten sie erreicht. Sie konnte den Gnom leise wimmern und umkippen und Bracko schwer atmen und schnaufen hören. Fuc.ko, wenn sie jetzt fest an den Fesseln zog, würden sie vermutlich reißen. Nur was brachte das, wenn sie alle um sie rumstanden? Sie hatte kaum Mana, das spürte sie. War vielleicht besser zu warten, die Hilflose zu spielen, zu hoffen dass sie den Strick nicht prüften...

"Schnell, nehmt ihr den verdammten Sack ab!!"

Oh... key? Dagegen hatte sie jetzt nicht direkt was. Sie hielt still.

Der Sack wurde von Jippas Kopf gerissen und sie knurrte genervt, als das Abendlicht des Dschungels ihre Augen blendete. Die Luft auf ihrem verschwitzten Gesicht fühlte sich trotzdem klasse, an, fuc.ko konnten drei Atemzüge frische Luft gut tun. Sie blähte die Nüstern, amete den torfigen Geruch des Dschungels ein und öffnete ihre Augen einen Spalt breit.

Bestandsaufnahme: Sie waren im Dschungel, jepp. Am Fuß eines farnbewachsenen Abhangs mit dem Rücken zu einem verwitterten Steingebäude. Ein alter Trolltempel oder sowas, sie sah es nur aus den Augenwinkeln. Bracko war hier, der kleine grüne Scheißer mit der riesigen Knarre war hier (lud hektisch grinsend nach) der Gnoll war hier, ein grünhaariger Gnom mit völlig lächerlichem Schnurrbart war hier - er sank gerade seitlich gegen die Steinmauer, irgendwas hatte ihn erwischt, er blutete ziemlich stark aus dem Bauch, hatte zwar noch Phiolen mit bläulichen Manatränken in seinem Gürtel stecken, aber keinen Heiltrank der ihn retten würde. Eine Menschenfrau mit Bogen und Kampfmessern war hier, einer der Trolle war hier - eine Art Voodoo-Typo scheinbar, nur in dreckigen Stoff gekleidet, Schrumpköpfe schlechtester Machart an seinem Gürtel, einen wild beschnitzten Stab in der Klaue.

Und oben am Hang brachen grade rund dreißig muskulöse, schwer bewaffnete, schreiende und johlende Gurubashi aus dem Dschungel und stürmten auf sie zu. In etwas mehr als einer Minute würden sie da sein. Eineinhalb vielleicht.

"Nimm ihr schon den Knebel aus dem Maul!!!" Bracko hielt in jeder Hand ein Langschwert. Ziemlich feine Waffen, deren Klingen weißlich schimmerten. Eines davon hob er jetzt, während die Menschenfrau Jippas Knebelriemen durchschnitt und ihr das Ding aus dem Mund zog. Bracko stellt sich hinter Jippa, packte ihren Kopf und hielt ihr die Klinge unters Kinn.

"Versuch zu zaubern und du bist tot! Und sag ihnen auch, ich töte dich, wenn sie uns angreifen!"

Das.... war... irgendwie ... witzig.

Sie bewegte ihren steif gewordenen Kiefer, leckte sich über ihre spröden Lippen und räusperte sich.

"Bracko, mann." Hey, an sich war ihre Stimme extrem se.xy (na logo), aber jetzt klang sie ziemlich heiser.

"Sag es ihnen!"

"Bracko, Baby. Hör mich mal an."

"Sag es ihnen!!!"

Jippa wusste nicht recht, wie sie es ihm mitteilen sollte. Die ersten Pfeile flogen in ihre Richtung, aber noch waren die Gurubashi nicht nah genug.

"Also... Bracko mann, baby, höre mich an. Dies sind Hakkar-Anbeter. Sorry, aber die sind nich' hier um mich zu erretten."

Tja, was anderes hatte sie wohl schlecht sagen können. Sie bereitete sich darauf vor, dass er ihr die Kehle durchschnitt, weil er sie jetzt für nutzlos oder weil er sie für eine Lügnerin hielt - heftig ironisch mann, irgendwie war sie jetzt nicht mehr so heiß darauf zu sterben. Sie machte sich bereit einen letzten Zauber zu wirken, wenigstens eine Druckwelle musste sie hinkriegen, sie war sich ziemlich sicher, dass sie das konnte. Immerhin, sie konnte sprechen, sie konnte wieder was sehen.... Wenn er sie tötete, würde sie mit einem letzten Knall...

Bracko starrte sie von der Seite fassungslos an, seine Augen waren riesengroß, sein gerötetes Gesicht sehr nah an ihrem. Er hatte einen ziemlich tiefen Schnitt in der linken Wange, wie sie mit Genugtuung registrierte. Nach einer Sekunde des Zögerns stieß er sie zur Seite weg und stellte sich in Kampfposition, den Gurubashi entgegen. Eine Klinge blieb hinter seinem Rücken, die in der rechten Hand hielt er nach vorne. "Scheiße", knurrte er. "Dann auf die harte Tour, Leute!!!"

Die ersten Angreifer erreichten sie. Der Goblin legte die unmöglich große Knarre an - er schien ein dauerhaft irres Grinsen auf seinem Gesicht zu haben - und schoss dem vordersten den Kopf weg (wirklich ganz, ganz weg). Der Gnoll jaulte einen gnollischen Kampfschrei und sprang einem der Feinde mit den Füßen voran gegen die Brust, riss ihn um und vergrub seine Machete noch beim Landen tief in seinem Schädel. Der Voodoo-Typ riss eine Puppe von seinem Gürtel, bat Hii'rek in einem ziemlich barbarischem Troll-Dialekt um Hilfe und deutete auf einen der Bogenschützen - der blieb stehen, krümmte sich und erbrach spontan seine Eingeweide. Bracko erwartete die ersten drei Gegner an seiner Flanke, duckte sich unter einem Hieb weg, drehte sich um die eigene Achse, durchtrennte dem Ersten den halben Oberkörper, parierte den Schlag des Zweiten, wich dem Dritten aus, setzte sofort nach.

Schlecht waren sie ja nicht, Bracko und seine Typos. Aber das waren zu viele Gegner. Diese Welle war noch nicht besiegt, und die nächste stürmte schon den Hang runter.

Jippa musste nicht besonders lange überlegen was sie jetzt tun sollte. Foo'kit, manchmal ist diese ganze Scheiße mit dem Nachdenken völlig obsolet. Sie zerrte, so fest sie konnte, an ihren Fesseln, spürte sie nachgeben und endgültig reißen. Dann sank sie auf ein Knie, deutete mit einer Klaue nach vorne und konzentrierte sich. Mann, fühlte sie sich ausgepowert. Aber sie war lange genug wie ein Vieh durch die Gegend gezerrt worden. Jetzt gab es eine neue Show, und sie wollte mit auftreten.

Bracko sah aus seiner halben Drehung, dass sie ihre Hände vorne hatte und in seine Richtung deutete. Seine Augen wurden größer, seine Kiefermuskeln traten dick hervor - wie in dem Moment, als seine Leute sie umzingelt hatten. Seine Oberlippe hob sich trotzig. Der Penner wusste, dass er nicht ausweichen konnte. Er wusste, dass er tot war. Er sah der Tatsache ins Gesicht und zuckte nicht. Musste man respektieren.

Sie murmelte ein knappes Wort, fixierte den Gurubashi neben Bracko, öffnete einladend die Klaue und schleuderte dem verfoohkten Hakkar-Anbeter einen Feuerstrahl entgegen. Die Energie durchschlug seine Schulter, riss eine ganze Menge Knochen und verbranntes Gewebe mit sich und schickte ihn kreischend zu Boden. Bracko erstarrte für eine Sekunde, kam genau im richtigen Moment zu sich, um dem Schlag seines letzten Gegners auszuweichen, und durchbohrte ihn seitlich mit beiden Schwertern. Tötete den Sterbenden. Dann wandte er sich zu Jippa um und starrte sie an wie eine verkackte Erscheinung. Und die nächsten Feinde rückten schon näher.

"Manatrank." Sie bewegte ihre Arme, die verdammt schmerzhaft prickelten weil sie eingeschlafen waren, und riss sich das letzte Stück Seil vom Oberkörper. Aaah, Bewegungsfreiheit, du unterschätzter Luxus. Sie zurrte das Band ihrer Leggins wieder fest. Bracko starrte sie immer noch an.

"Fucko, MANATRANK!" Jippa deutete auf den sterbenden Gnomenmagier zu Brackos Füßen. Der Mensch schaltete endlich, machte einen Satz zu dem kleinen Kerl, riss eine der Phiolen aus seinem Gürtel und warf sie Jippa zu. Dann wandte er sich wieder um, zum Feind.

Sie fing die Phiole. Sie biss zu, zog den Korken raus und schluckte das Zeug in einer eingeübten Bewegung. Wie im Kern, wie in Gurub, wie schon eintausendmal, seit sie auf Reisen gegangen war.

Sie war immer noch völlig im Arsch, sie fühlte sich immer noch schwach und sie war weit davon entfernt, auf dem Höhepunkt ihrer Kraft zu sein. Das war nicht grade einer von Kathors erstklassigen Tränken, das war Billigware. Aber als das Zeug in sie hinein floss, floss auch ein wenig Kraft in sie zurück. Genug? Na das würde sie ja sehen.

Mama Jippa stand auf, musterte die Feinde und rief eine Flamme.

Ach, schön.


Information Hier geht's zu Qu'aath über Lanzenspitze - Teil 3.

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