FANDOM


Qsicon Exzellent.svg Dieser Artikel wurde am 29. September 2014 als Spotlight der Woche vorgestellt.
Information Fortsetzung von Qu'aath über Lanzenspitze - Teil 4

Mehr gibt es über Qu'aath nicht zu sagen. Wer das Spiel jetzt noch immer nicht versteht, der braucht ganz einfach mehr Übung.

Und als er wieder zu sich kam - denn das tat er - trat sie ihn in die Rippen. Nicht nur ein wenig und schwach. Sondern mit Wucht und etwas Anlauf. Schließlich war sie für eine Trollin nicht grade riesengroß und er war ein kräftiger, muskulöser Kriegertyp. Es gab also keinen Grund für übertriebene Rücksicht. Er stöhnte, zuckte zusammen und rollte sich auf die Seite. Versuchte etwas zu sagen und begirff dass er geknebelt war. Versuchte durch den Sack etwas zu sehen, den sie ihm über den Kopf geschnürt hatte. Sie steckte sich einen Zigarillo an und inhalierte tief.

Sie hatte den Zauber gut dosiert. Und auch ein bisschen Glück gehabt. Er lebte noch, und das war gut so, weil sie ihn am Flussufer nicht töten wollte. Es war nicht leicht gewesen, ihn in das Boot zu schleppen. Oder das verkackte Ding in ihrem Zustand zu rudern. Aber sie hatte es hingekriegt. Immerhin war ihre 'Mo Fischerin gewesen.

Sie war eine Zeit lang flussaufwärts mit ihm gefahren, bis sie eine Stelle am anderen Ufer fand, die passend für das Ende zu sein schien. Sie fragte sich während der ganzen Fahrt, ob es eine gute Idee war, ihn noch am Leben zu lassen. Aber es ging nicht anders. Ihr Gehirn hatte in der letzten Nacht eine Entscheidung getroffen, ohne sie zu fragen. Und sie konnte eine Menge durchgeknallte Dinge machen und eine Menge abgefahrenen Dreck tun... aber gegen sich selbst kämpfen konnte sie nicht.

Also hatte sie ihn gefesselt und alles für den Schluss vorbereitet. Hier, auf dieser kleinen Lichtung im Dschungel.

"Ah", sagte sie jetzt. "Du bist ja wieder wach, mann.

Ich hab' nachgedacht, Bracko. Ich hab' ziemlich viel nachgedacht. Und ziemlich lange."

Sie setzte sich auf einen umgestürzten Baum und musterte seine liegende, verschnürte Gestalt. Es war Vormittag und der Nebel hatte sich verzogen. Keine Hakkari hinter ihnen. Keine Gefahr mehr in Sicht. Warum auch immer. Schien so, als zahlte das Schicksal seine Schulden zurück. Sie war zu müde, um darüber nachzudenken. Sie musste erledigen, was zu erledigen war. "Ich muss sagen, dass es durchaus was für sich hat, seinen Feind so vor sich zu sehen. Hat was Beruhigendes. Aber du verstehst jetzt sicher, dass das für die Gegenseite anders is'.

Und dies ist genau das, was ich dir übel nahm, mann. Dass du mich so in deiner Hand hattest. Nicht, dass du mich umlegen konntest. Dass mich irgendwann irgend ein Typo umlegt, ist so klar wie klares Wasser. Nicht dass du mich umlegen konntest hab' ich dir übel genommen, mann. Sondern dass du mich dran erinnert hast, wie es is', wenn man hilflos ist." Sie wusste, wie hart ihre ruhige, leise Stimme klang. Und sie ahnte so in etwa, was in seinem Kopf vorging, während er ihr zuhörte.

"Versteh mich nicht falsch, Bracko. Ich hatte nich' vor, für dich das jammernde Opfer zu spielen. Ich hatte bereits 'ne clevere Lösung gefunden, als der Angriff kam. Aber es war auch 'ne verzweifelte Lösung, wie mir inzwischen klar ist. Eine, zu der du mich gezwungen hattest. Und ich steh' nicht drauf verzweifelt zu sein. Oder zu was gezwungen zu werden.

Und als wir in der Ruine waren, Baby, konnte ich deshalb nur dran denken wie gut es mir tun würde, dein Blut aus deinem Herzen zu saufen. Nicht, weil du hart warst oder was drauf hattest. Nicht, weil ich dich als Gegner respektiert hab'. Sondern einfach, weil ich dich löschen wollte, mann. Weil du mich zu 'nem Opfer gemacht hast. Und ich schätze es nicht, ein Opfer zu sein. Deswegen hab' ich dich gehasst. Du weißt ja wie das so ist. Du hasst mich ja auch."

Jippa lehnte sich zurück, lauschte den unzähligen kleinen und großen Geräuschen des Dschungels um sich herum, prüfte noch einmal ihre Gedanken. Tja, da hatte sich nichts geändert. Ein Jammer. Sie war immer noch auf dem selben Kurs. Sie sprach ruhig und bedacht weiter.

"Und wenn ich dich jetzt töte - sagen wir langsam und qualvoll, dich vielleicht noch zum Besteigen an 'n paar Gorillas übergebe - was zeig' ich damit? Dass ich das brauche? Dass du mich soweit gekriegt hast, dass ich mir was beweisen muss? Und wo bleibt dabei der Kitzel, Bracko? Du kennst den Kitzel, schätze ich, genau so gut wie ich. Du weißt, was ich meine. Und was wären Typos wie du und ich, ohne den Kitzel? Und wer sind wir, Typos wie du und ich, wenn wir keine Chance kriegen, mit einem Knall abzutreten? Soll ich dir diese Chance nehmen mann? Und soll ich mir dabei beweisen, dass du mich kleingemacht hast? Soll ich uns beide zu Verlierern machen?"

Sie glitt schwerfällig, müde, von ihrem Baumstamm und hockte sich vor ihn.

"No.

Dazu habe ich keine Lust, mann.

Wir werden so nicht 'rausfinden, wer von uns besser ist. Nicht hier. Und nicht heute."

Jippa nahm den Stein aus ihrer Gürteltasche und betrachtete ihn. Ihr Gesicht war nah vor Brackos Kopf. Sie konnte spüren, wie er sich anspannte. Wie er die Ohren spitzte. "Aber ich verspreche dir was, Bracko", flüsterte sie. "Das Tor wird sich öffnen. Du weißt es, weil du es spürst, als würde der Boden unter dir vibrieren. Ich weiß es, weil ich es spüre, als würd' sich die Luft aufladen. Es wird sich öffnen, Bracko. Die Welt wird sich wandeln. Es ist 'ne Frage der Zeit. Und wir reden hier nicht von viel Zeit, sondern von sehr, sehr wenig.

Und ich werde durchgehen, durch dieses Tor. Mit Stein oder ohne. Ich werde sehen was dahinter ist. Ich werd' den Kitzel suchen. Ich werd' mir Feinde suchen. Beute machen. Sehen was als nächstes kommt. Den Pfeilen und Klingen 'ne Haaresbreite voraus, so lange ich das kann. Und ich werde alles für meinen letzten Knall tun, wenn's dann soweit ist. Weil das das Spiel ist.

Weil man das Spiel so spielt.

Und du? Hey, wer weiß... du wirst vielleicht auch durch das Portal gehen. Und deinen Kitzel suchen. Und Beute machen. Auf der Jagd nach deinem letzten großen Boom, eines Tages, irgendwo, gegen irgendwen der besser ist als du, der schneller ist, der das Bisschen mehr Glück hat. Und vielleicht werden wir uns wiedersehen, falls wir beide noch 'ne Zeit lang am leben bleiben. Dann sehen wir uns wieder, irgendwo, in 'nem anderen Land, einfach so aus Zufall.

Und wenn das so is... wenn wir uns wiedersehen...

... dann sind wir beide bereit.

Dann checken du und ich ab, wo wir stehen. Und wer von uns besser ist. Und ob wir uns kitzeln können. Aber wir verschenken das nicht heute."

Jippa erhob sich und sah sich um. Sie konnte sich nicht klarer ausdrücken und sie hätte nicht gewusst, wie sie sich dem Menschen verständlicher machen sollte. Es war verdammt schwer, mit fremdartigen Rassen zu kommunizieren. Sie konnte nur hoffen, dass er ihr vielleicht irgendwie ein bisschen ähnlich war. Unwahrscheinlich, klar. Aber wer wusste schon einen Scheißdreck über das Leben.

Foo'kit, entweder verstand er sie, oder eben nicht.

"Das heißt, wenn du deine Chance nutzt", sagte sie, jetzt wieder mehr in Plauderlaune. "Dein Schwert steckt so in rund zwei Schritt Höhe in einem der Bäume hier. Du wirst also was anderes brauchen, um dich zu befreien. Wenn du nicht vorher von einer Schlange gebissen wirst. Oder von einem Panther zerfleischt. Oder dich die Gurubashi finden. Das ist deine Portion Kitzel für heute, Bracko. Ich hoffe der wird genau so schön wie meiner gestern." Sie nickte und ging ein paar Schritte in Richtung des Bootes. Dann blieb sie nochmal stehen. Fuc.ko, sie hatte was vergessen.

"Ach und dein Bruder... war ein Ars.chloch, mann. Und dumm noch dazu, genau wie ich's gesagt habe. Er hat ohne nachzudenken angegriffen. Er war nicht gut. Er hat sich auf 'ne Situation eingelassen die er nicht einschätzen konnte, gegen zwei Typos die er nicht kannte. Und er hat verkackt. Und es tut mir nicht leid, dass ich ihn getötet hab', mann. Weil ich keine nette Frau bin." Sie schürzte die Lippen. War nicht ganz leicht, nein oh key, war verfoohkt schwer auszusprechen. Sie fuhr trotzdem fort. "Aber es tut mir für dich leid, dass er tot ist. Es tut mir für dich leid, dass du deinen Bruder verloren hast, Bracko. Hätte ich dich gekannt... was weiß ich, vielleicht hätte ich ihn nur schwer verwundet."

Sie studierte seine gefesselte Gestalt noch einen Moment lang. Bracko hatte den Kopf leicht erhoben, bewegte aber keinen Muskel. Unmöglich zu sagen, was ihm durch den Kopf ging.

"Falls wir uns wiedersehen... ah, dann klärst du das mit mir. Dann spielen wir noch 'ne Runde."

Und damit stieg sie in das Boot. Warf ihre Kippe weg. Und stieß vom Ufer ab. Und innerhalb einer Minute waren er und die kleine Lichtung nicht mehr zu sehen.

Man könnte jetzt noch viel erzählen. Zum Beispiel, dass sie mit dem Drecksboot fast gekentert wäre und dass sie dem Riesenkrokilisken knapp entkam. Dann auch, dass Zoljuun ihr, lässig auf einem Baumstamm sitzend, der über den Fluss ragte, grüßend zuwinkte. Er sagte nur "Eh, Ghinzan", entspannt wie eh und je, als würden sie sich in Ogrimmar auf dem Markt begegnen.

Ah ja, und dass Zuul und Futamaki und Yuumaa und Tajar und Kylane und Tareb und Kratsch und Tsuki und Kamuka und Trulla und Zulshardik dazustießen. Dass Zuul sie äußerst charmant begrüßte, wäre wohl auch erwähnenswert: "Bah, das is' ja der dreckigste Gurubashi den ich jemals... eh, bist ja nur du, Ghinzan".

Oder dass sie sich dreimal bei allen bedanken musste, weil ihre Stammos nach Tasacas Brief an Zuul ihren Spuren gefolgt waren. Und weil sie am Morgen an der Ruine rund einhundert Gurubashi in den Rücken gefallen waren, die gerade in Richtung Flussufer stürmen wollten. Oder dass Zuul einen Witz über Sicherheitsmaßnahmen bei Fesselspielen nach dem anderen riss, nachdem er ihre Arme gesehen hatte. Dass Kamuka auf der verfoohkten Reise ständig auf Frösche trat und kreischte "Nicht auf meiner Schicht!!!" und sie alle wiederbelebte. Jeden.... einzelnen... Frosch.

Oder dass sie dann mal endlich in Grom'Gol ankamen und sie badete und ihre Wunden versorgte und fraß wie ein Oger und soff wie ein Kodo und danach drei Tage lang schlief ohne aufzuwachen oder zu träumen oder irgendwas. Ayah, und dass sie später über den Kitzel nachdachte, sehr lange und ausgiebig. Und zu dem Schluss kam, dass man nicht anauernd gekitzelt werden konnte. Nur ab und zu mal, und dafür dann wenigstens richtig gut. Und dass sie sich vornahm, wieder ein wenig entspannter zu werden. Nicht lange, nicht zu sehr, aber auf jeden Fall eine zeitlang und ein wenig.

Aber das wäre schon wieder eine andere verfoohkte Geschichte. Und sie wäre fast so kompliziert wie die Regeln des Qu'aath.

Ende


Diese Geschichte hat Ihnen zugesagt? Der Stamm der Ehrenwerten Anduri und Mama Jippa danken für Ihre Aufmerksameit.

Sie hätten gerne einen kleinen Nachschlag? Sie wüssten gerne, ob sich das Portal geöffnet hat, ob Jippa ihren geliebten 'Kitzel' wiederbekam, ob sie das Spiel immer noch spielt? Dann lesen sie: Qu'aath über Lanzenspitze - vier Monate später

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki