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Qsicon Exzellent.svg Dieser Artikel wurde am 7. April 2015 als Spotlight der Woche vorgestellt.

(Und das hier geschah einige Monate später)

Angekommen

Aaah, ein kühles Bad in perlendem, kristallklarem Wasser. Richtig erquicklich ist das, nach dem Dreck und Schmutz der Höllenfeuer-Halbinsel so zu spüren wie einen die tiefblaue Kühle umschmeichelt und einem Schweiß, Staub, Schmutz und Blut aus den Poren spült. Richtig entspannend, ein Moment um die Augen zu schließen und sich einfach gleiten zu lassen, in der sanften Wiegung der Strömung.

Nur der verkackte Hai nervt.

Mama Jippa hält in einer Hand ihr Magierschwert und hat deshalb nur die Linke frei. Sie windet sich im sinken nach links, hebt eine Hand und presst sie auf den rauen, stromlinienförmigen Körper, der sich an ihrem Bein festgebissen hat. Feuer glost rötlichschwarz auf und lässt das Wasser flimmern. Der Hai stößt einen schrillen Schrei aus – krass dass Haie schreien können, denkt sich Jippa – und lässt los.

Sie kommt prustend an die Oberfläche und taucht direkt wieder unter – fucko, eine Wurfaxt sirrt direkt neben ihr durch die Luft und klatscht in den See, als sie den Kopf runterzieht. Zwei, drei Armschläge und sie hat schlammigen Boden unter den Füßen. Bereit machen, schnell sein! Sie stemmt ihre Füße in den weichen Untergrund und stößt ab.

Sie schießt aus dem Wasser nach oben… und der Höllenork ist schneller. Das Dreckstück umfasst ihr Handgelenk, zieht sie nach vorne und verpasst ihr einen Stirnstoß mitten ins Antlitz. Er reißt sein Knie hoch und rammt es ihr zwischen die Beine, lässt seinen Kopf noch mal nach vorne krachen und grunzt zufrieden, als Jippa das Schwert aus der Hand fällt und ihr Körper halb erschlafft. Er rammt seinen Kopf ein drittes Mal nach gegen ihren und für Mama Jippa fühlt sich die ganze Welt plötzlich so weich und unwirklich an, als wäre sie aus Watte.

Dann packt seine zweite Hand sie an der Hüfte und er hebt sie hoch, über seinen Kopf. Jippa ahnt was jetzt kommt. Sie zappelt schwach hin und her, halb bewusstlos und halb noch da und versucht eines seiner Ohren mit der Klaue zu packen. Er stemmt sie hoch wie Gewichtheber eine Hantel. Jippa hört ihre eigene Stimme schwerfällig und benommen in ihren Ohren. Sie ist echt sauer. Wäre sie nicht so sauer, dann wäre sie jetzt mit Sicherheit schon k.o.

„Fucko mann, lass mich runter du verkackter Sohn …“

Er wirft sie. Die Welt dreht sich. Sie kracht gegen den holzigen Stamm eines uralten Riesenpilzes und schlägt in eine Schlammpfütze, wo sie leblos liegen bleibt.


Der Höllen-Ork Gazhkar schnauft zufrieden. Er betrachtet grinsend die fremdartige Frau, die vor ihm mit dem Gesicht nach unten auf dem Sumpfboden liegt und betastet eine Verbrennung an seiner Schulter. Vier Tage lang hat sie ihn verfolgt. Vier Tage lang war er vorsichtig, weil er fürchtete sie wäre vielleicht nicht alleine. Dann kamen sie in die Zangarmarschen und er entschloss sich ihr aufzulauern. Und sie war alleine, er war sicher.

Sie war schnell, keine Frage. Er hatte sie von der Seite überfallen und von ihrem Raptor geschlagen, vom Knüppeldamm gerissen, sie hatten gekämpft. Sie hatte ihn verbrannt, war ihm ausgewichen, hatte ihn mit Eis auf Abstand gehalten. Vielleicht war sie eine Dämonenmeisterin. Egal. Er ist stark. Gazhkar hat mit Urbestien gerungen und das Blut der Unsterblichen getrunken. Er hat die Weihen des Blutkessels empfangen. Er war stärker als sie, und nun ist sie zerschmettert.

Sein Grinsen verblasst, als sich das Weib mit den Armen hochstemmt und ihr Gesicht aus der Pfütze hebt.

„…einer verfoohkten Goblinhure aus Booty“, knurrt das Weib. Er versteht ihre Sprache nicht. Er will sie nur tot sehen.

Er springt mit Anlauf auf sie zu, um gegen ihren Kopf zu treten, bevor sie richtig auf die Beine kommen kann. Ihre blauen Hände fahren nach vorne, packen seinen Stiefel und mildern den Tritt ab. Sie drückt sich an seinen Fuß und lässt nicht los. Es ist eine Farce, er will sie zertreten aber sie hält seinen Fuß mit beiden Händen nah an ihrem Brustkorb und er muss auf einem Bein herumhüpfen und versuchen die zusammengerollte Frau abzuschütteln. Sie führen einen kindischen Ringkampf auf, es ist lächerlich! Sie tut alles um sich festzuklammern und knurrt dabei wie ein wütendes Kleintier.

„Mrraaaaagh!!!“ – „Fook’yah!!!“ – „Gaaaaarrrr!!!“ – „Bastardo!!!“


Der Pisser reißt sein Bein hoch und schleudert sie weg. Na ja, für eine Mojo-Werferin gibt es Schlimmeres als räumlichen Abstand zum Feind. Aber fucko ist der Kerl stark.

Jippa rollt über den Boden und landet neben ihrem Schwert. Glück muss man haben. Inzwischen hat der Höllenork (Nazgrel hat eine erhebliche Menge Gold auf seinen Kopf ausgesetzt) seine Axt aufgehoben und stapft auf sie zu.

Und die Welt gefriert.

Ist das nicht klasse? Alleine auf einem fremden Planeten, in einem Sumpf, den man nicht kennt, gegen einen Kerl kämpfen, der einem mit einer Hand den Kopf zerdrücken könnte? Völlig alleine und ohne Rückendeckung, verletzt und eine Haaresbreite vom Tod entfernt, und dein einstmals äußerst attraktiver, dann ausgeweideter Körper wird hier liegen und zu fauliger Schwammigkeit verwesen und von Viechern gefressen und zerpflückt werden, so dass keiner jemals rausfinden wird, was aus dir geworden ist?

Und die Welt… sieh dir die Welt an, Baby. Du kannst ALLES sehen. Jedes Haar auf der Nase deines Gegners. Jede kleine Fliege in der Luft, jedes Folikel an dem Pilz da. Du riechst tausend Düfte von süß bis schwerbitter und spürst jeden Wassertropfen auf der Haut, jeden Schlag deines Herzens wie einen Hammerschlag.

Und du erinnerst dich an alles, mann. An verfoohkt noch mal alles. An jedes Mal, dass du gut gegessen hast oder heißen Sex mit einem Kerl hattest. An jede Reise, jede Stadt, jeden Typo den du getroffen hast. Alle guten und alle schlechten Sachen, alles ist da, direkt vor deinen Augen, klar wie in Kristall gegossen. Und es ist alles okay, so wie es war. Und du weißt alles. Du hast keine Fragen, du hast nur Antworten und jede ist richtig und jede ist verdammt schlagfertig und verkackt gut. Dieser Moment hier ist perfekt. In diesem Moment hier liebst du deinen Feind. Weil er dich töten will.

Das kann alles jeden Moment vorbei sein. Es hängt nur an dir und ein bisschen an Glück oder Pech, weil die halt immer 'ne Rolle spielen. Bist du schnell genug? Ist da eine Wurzel, über die du stolpern wirst? Hat er rutschige Hände? Kriegst du die Formel raus, ist dein Geist scharf genug, oder ist er schneller und seine Axt schärfer? Dann bist du mausetot, das Licht geht aus, keine Gefühle mehr, kein Herzschlag, kein kühles Wasser, kein gutes Essen, keine Freunde, kein Lachen – nur das Nichts und dahinter vielleicht die Insel Jahjah. Denn das ist es worum es hier geht - ganz oder gar nicht, ja oder nein, rein oder raus - Alles oder Nichts.

Fucko, IST das nicht klasse? Du bist wieder für eine Sekunde unsterblich. Du tanzt mit Geistern und Göttern.

IST DAS NICHT KLASSE?

Er stürmt an und holt aus, Jippa reißt die Arme nach vorne und bläst ihm eine Flammenwand entgegen, die den Sumpf mit flackernd-grellem Licht erleuchtet und ihm irgendwie den Schwung nimmt. Aber er lässt sich nur ein bisschen beeindrucken. Er bricht brennend durch die Flammen und rammt sie, aber seine Axt trifft sie nicht. Sie klatschen beide in den Schlamm. Er kommt hoch, sie wirft eine Hand voll Feuer nach ihm. Er tritt ihr Bein weg, als seine Schulter von Flammen überzogen wird. Sie klatscht wieder auf de Boden, er rollt sich auf sie zu, hat die Axt losgelassen, versucht sie zu packen um sie zu erwürgen.

Und fucko, das würde er mal locker schaffen. Wenn er sie packt, dann kann sie ihn nicht mehr abschütteln - er ist ungefähr fünf mal so kräftig wie sie. Sie tritt ihm also ins Gesicht um diese drohende Wendung der Ereignisse zu vermeiden und stößt sich von ihm weg, rutscht auf dem Arsch rückwärts durch den Schlamm und deutet auf ihn, als er auf allen vieren auf sie zuschlittert. Ihr Feuerzauber schlägt in seinen Hals und er zuckt auf. Zeug spritzt aus seiner Kehle, verbranntes Blut und Hautfetzen vor allem. Er hechtet mit geweiteten Augen nach vorne und drückt sie auf den Boden, der Drecksack muss rund drei Tonnen wiegen… seine schwieligen Hände klammern sich um Jippas Hals und drücken zu. Ihre Luftröhre knirscht und sie tritt ihm mit Wucht in das, was Typos wie er vermutlich als ihre Hoden bezeichnen.

Als sich als Folge des Trittes seine Hände lösen und in Richtung seiner Lendengegend wandern, sprudelt Blut auf Jippa runter. Sie stößt ihn zur Seite und rollt sich weg. Er starrt sie an und versucht, sie mit schleppenden Bewegungen zu erreichen… gurgelt kehlig… und bricht zusammen. Der Treffer in den Hals hat ihn erledigt.

Die Stille nach dem Kampf ist fast so schön wie der Kampf selbst. Etwas Wehmut mischt sich mit dem warmen Gefühl, gewonnen zu haben. Es fühlt sich fast so an wie nach einer ausgiebigen Runde Sex.

Jippa verpasst dem Höllenork noch einen gebündelten Feuerstrahl in den Hinterkopf und rappelt sich auf. Sie steckt sich eine Kippe an. Sie spürt, wie sich so ein dickes, sahnefettes Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitet. Sie fragt sich – und es wundert sie etwas, dass sie diesen Gedanken so plötzlich im Kopf hat – was Anjish und Ragroth, Drethormakk und Skreek, Rally und Freudenstoon so treiben. Und Fansilvan. Und Marmundor. Und… na ja, die Typos halt. Den Anduri gehts gut, das weiß sie. Kayezar schlachtet Oger im Schergrat ab, Shroll arbeitet für das Konsortium im Nethersturm, Zoljuun legt Leute im Schattenmondtal um. Die Anduri haben ihren Spaß.

Aber die Leute vom Hauch? Mann, hoffentlich amüsieren die sich so wie sie. Na ja, das wird sie schon noch herausfinden. Sie ist ja nicht aus der Welt. Jedenfalls jetzt grade noch nicht. Jippa hebt ihr Schwert auf und geht schwerfällig auf den toten Ork zu. Sie sollte den Kopf besser gleich abtrennen und einstecken. Sonst vergisst sie das noch. Der Rausch klingt langsam ab und sie kann selbst spüren, wie ihr Gesicht seinen gewohnt entspannten Ausdruck annimmt. Sie lächelt wieder leicht, als sie an Bracko denkt.

"Und du, mann?", murmelt sie. "Ich frag' mich, ob du das Spiel noch spielst. Du verfoohkter Bastard."

ENDE

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