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von Zuujiori << Amantusk Stamm>>

"...Unzählige Jahre lang und auf vielen Welten, haben wir uns stets danach gesehnt, das Licht besser zu beherrschen, um der Dunkelheit letztendlich ein Ende zu bereiten. Meine Brüder, dieser Tag ist nun gekommen! Noch vor einem Moment knietet ihr als Rekruten... Doch nun, durch meinen Segen, erhebt ihr euch als wahre Söhne des Lichts! Geht nun, meine Brüder, und möge das Licht die Dunkelheit durchstoßen, wo auch immer ihr sie finden mögt..."

Jubel und Applaus beginnt. Es dauert einige Momente, ehe er verstummt. Großanachoret Almonen nickt knapp, ehe die Truppen abziehen, und geht langsam zurück zur Terasse des Lichts.

Shattrath. Zufluchtsort, Gosse und Adel, Bauern, Krieger, Priester, Magier.

Blutelfenhehler verkaufen hier ihre geschmuggelten Edelsteine, Haal'eshiartige Wesen verkaufen Gifte und Reagenzien, Draenei Verzauberformeln, Menschen verkaufen Brot und Zwerge und Gnome Stoffe und Roben.

Weiter draußen, außerhalb der Stadt, war ein Posten des Cenarius verloren gegangen. Tote Druiden zieren die Wege, verrückt geworde Wesen greifen Wanderer, Reisende und Flüchtlinge an, die sich zu weit weg vom Weg bewegen. Selbst auf den Wegen ist es nicht sicher.

Der größte Weg führt hierher. Shattrath.

Schon auf den Wegen in die Stadt, in den Tunneln, wird klar, dass hier kein Glück wartet. Nicht einmal Sicherheit können die Mauern geben.

"Eine Münze, die Dame...!" Flehend wirft sich die Menschenfrau auf die Knie, in den Schmutz.

Die Wege sind aufgerissen, viele Steinplatten fehlen. Die Mauern sind am brechen, Holzbrücken, die einzelne hängende Hütten miteinander verbinden, knarren gefährlich unter jedem Schritt. Die Luft ist stickig, riecht nach Kot, Urin, Schweiß und Erbrochenem. Der Boden, an den Stellen, an denen keine Steinplatten mehr zu finden sind, ist matschig, morastartig. Nicht selten steht man bis zum Knöchel im Schlamm, ehe sich ein Bettler, welcher Rasse auch immer, an deine Beine wirft und um eine Münze bettelt.

Gibst du sie ihm? Was, glaubst du, wird er damit tun?

Alkohol kaufen in einer der vielen Tavernen, die hier harten Stoff verkaufen. In deren Ecken Trolle, Orks, Blutelfen, Menschen sitzen und sich Traumstaub oder stärkere Mittel in die Nase ziehen um dann mit ausdruckloser Mine in ihrer Welt hängen zu bleiben. Bordelle findest du hier in vielen Gassen. Du brauchst nur dem beißenden Geruch von Parfüm nachzugehen. Halte ausschau nach wallenden, schmutzbefleckten Vorhängen.

Selbst wenn du einem Sha'tar nahe kommst, die Gesänge hörst, das Licht spürst, dass dich hier willkommen heißt, es bedeutet nichts. Verlässt du die Terasse des Lichts wieder, stehst du wieder im Dreck.

Hörst weinendes Wehklagen von Flüchtlingen aus den Behandlungshäuslichkeiten, riechst wieder Erbrochenes, der faulige Gestank von Tod hängt in der Luft.

Du gehst die Stufen hinauf, eine nach der anderen, gleichmäßig immer weiter und weiter. Der Geruch von Medizin, Salben, vereinzelt Kräuter und Sterbenden liegt in der Luft, hält sich in deiner Kleidung fest. Du wirst ihn noch wahrnehmen, selbst wenn du schon lange die Mauern der Stadt hinter dir gelassen hast.

Der Stapel der weißen Leichentücher in der Ecke wird kleiner mit fortschreitender Tageszeit.

Du verlässt das Haus der Toten, wendest dich wieder den Stadttoren zu.

Wieder wirft sich eine Menschenfrau vor dir in den Schmutz, auf die Knie, fleht um eine Münze. Du bleibst stehen, siehst sich genauer an.

Mager, die Haare verfilzt und fettig, die Kleidung zerfetzt. Du riechst Schweiß, Erbrochenes. Sie trägt keine Schuhe, unter dem Schmutz an ihren Beinen erkennst du Blutkruste, eiternde Wunden. Du weißt nicht weshalb, doch du empfindest Mitleid mit diesem Geschöpf. Sind Menschen bislang auch deine Erzfeinde gewesen, du hast unzählige auf den Schlachfeldern getötet. Glänzend waren ihre Rüstungen gewesen. Ein Gegensatz zu dieser Menschenfrau, die vor dir im Staub liegt.

Du greifst mit deiner Klaue nach ihr, streichst ihr wie in Trance über den Kopf, durch die Haare. Nein, Gefahr geht von ihr nicht aus.

Du kniest nieder, greifst in deinen Rucksack. Suchst deine Vorräte, Brot und Heilsalben. Einen Verband aus feinem Netherstoff. Dein Wasserschlauch an deinem Gürtel, du nutzt ihn, den Schmutz von ihren Füßen zu waschen.

Du hörst ihr Flehen und Schluchzen, sie begreift nicht, was du tust.

Du hörst sie, doch nimmst sie nicht wahr.

Was tust du da?

Nach dem Säubern der Wunde streichst du eine, angenehm nach Kräutern riechende, Heilsalbe auf den Verband und legst ihn ihr an, versorgst ihre Wunden. Sie verstummt, beobachtet dich beinahe fassungslos. Du beachtest sie nicht und vollendes dein Werk. Legst ihr, in ein weiteres Stück sauberen Stoff, einen Laib Brot, den du in deinem Rucksack gefunden hattest. Legst deinen Wasserschlauch daneben. Du wirst zurückkehren können in die Hauptstädte Azeroths, dir einen neuen kaufen können. Sie wird nie die Möglichkeit haben, dieses Loch zu verlassen. Die Menschenfrau würde in der Wildnis ihr Ende finden, wie so viele vor ihr.

Gerade als du den Verband das letzte mal um ihr Bein wickelst, hörst du von links einen Ruf.

"Mama, Mama! Ich hab' Brot bekomm-" Der Ruf verstummt, als die Tochter der Menschenfrau dich erblickt. Sie betrachtet mit großen Augen deine Klauen. Du hast die Maske abgenommen, angsterfüllt blickt sie auf deine Hauer.

Der Blick des Kindes fällt auf die beiden Klauenwaffen, die an deiner Seite an deinem Gürtel befestigt sind. Tränen fließen dem Kind über das Gesicht, regungslos steht es dort und starrt dich an.

Du siehst ihm in die Augen, siehst seine Angst. Seine Not. Es ist ein Kind, hellblau die Augen, die Haare braun, von Schmutz verklebt.

Einen Moment lang bewegt sich niemand, ehe du knapp nickst, deine Maske wieder anlegst. Du stehst auf, greifst in deinen Rucksack. Machst einen Schritt auf das Kind zu, das starr vor Angst vor dir zu schrumpfen scheint, mit jedem Stück, das du ihm näher kommst. Du hälst dem Kind einen kleinen, leuchtenden Ball hin. Du hast ihn aus den Marschen, gefunden bei einem Sporensegler.

Es ist ein Spielzeug. Das Kind rührt sich nicht, und du verstehst.

Du legst es zu seinen Füßen nieder, nickst erneut knapp. Du drehst dich um und gehst, verlässt die Stadt. Du spürst die Blicke auf deinem Rücken, hörst ein leises Schniefen des Kindes. Du spürst, sie verstehen.

Du kehrst zurück in die Marschen, dein Raptor peitscht über die Wege. lässt Feinde und Stadt hinter sich. Du kommst an in Zabra'Jin, legst dich in eine der Hängematten des Gasthauses dort. Du hast ein Dach über dem Kopf, der Gastwirt verkauft dir einen neuen Wasserschlauch und Brot.

Noch bevor du eingeschlafen bist, fällt dein Blick auf den Wasserschlauch, den du eben gekauft hast.

"... eh maan, das Vieh fällt voa mirrr innen Dregg, fleht um ne Münzä maan.. die glaubts ja wohl nit, dass Ros'jar ihr ne Münze gibt..Drecksmenschenpack."

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