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Qsicon Exzellent Dieser Artikel wurde am 26. September 2018 als Spotlight der Woche vorgestellt.
Sielassiel Dämmerzorn - Gedanken und Gefühle - Navigation
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Kategorie:Geschichten

Plötzlich wurde sie grob am Arm gepackt, und sie vernahm kurz darauf die Stimme des Sonnenpriesters, der sie zur Flucht aufforderte, ja es ihr sogar befahl. Nur kurz sah sie ihn an, aber sie konnte sich nicht bewegen. Sie war vor Angst wie gelähmt.

Deshalb schüttelte sie nur den Kopf. Auch eine zweite Aufforderung zur Flucht verweigerte sie. Sie konnte nicht. Dafür sollte wenigstens er sich retten, jetzt, da die Garn für den Moment auf sie fixiert waren. Doch der Sonnenpriester dachte nicht daran und packte sie noch fester am Arm und zog sie nach hinten. Das und die Wut des Priesters rüttelten die junge Magierin wach, und sie ließ sich von ihm im Laufschritt wegzerren.

Erst in einiger Entfernung blieb er stehen und drückte sie unsanft gegen einen Felsen, während er dicht vor ihr stehend in die Richtung sah, aus der sie geflohen waren und in die Nacht hinein lauschte. Sielassiel wandte ebenfalls den Kopf in die Richtung und versuchte, das Zittern ihres Körpers in den Griff zu bekommen, doch sie schaffte es nicht. Zu tief steckte die Angst in ihr. Zudem spürte sie deutlich die Wut des Priesters. Widerstandslos ließ sie sich von ihm zurück nach Wor’gol schleifen, wo er ihre Wunden versorgte, während sie in Tränen ausbrach.

Sie fühlte sich richtig schlecht. Nicht nur aufgrund des Erlebten, sondern auch, weil der Priester wütend auf sie war. Mal wieder. Still und leise weinte sie vor sich hin, den Kopf gesenkt, so dass niemand ihre Tränen sehen konnte. Dass er sie in seiner Wut mit Nichtachtung strafte, tat ihr zwar weh, doch sie verstand es auch. Warum musste sie immer nur alles falsch machen? Warum handelte sie so überstürzt? Warum hatte sie ihr ihm gegenüber gegebenes Versprechen gebrochen?

Und warum hatte sie sich ausgerechnet in ihn verliebt? Allerdings passte es zu ihr und ihrem bisherigen Leben. Sie verliebte sich immer in die falschen Männer. Er war nur ein weiterer in einer langen Reihe. Hastig versuchte sie, diese Gedanken zu verscheuchen. Doch momentan war sie dafür viel zu geschwächt. Der Schock saß tief, genauso wie die Verzweiflung und das schlechte Gewissen. Der Sonnenpriester strafte sie mit Nichtachtung, und auch ihre Wunde verband er nur, anstatt sie mithilfe des Lichts zu heilen. Das sagte ihr vielmehr als tausend Worte.

Er bestrafte sie also auch in dieser Hinsicht. Doch Sielassiel war bereit, diese Strafe auf sich zu nehmen. Sie hatte es ja nicht anders verdient. Und dann war da noch dieser Verlassene, der zugegen war und in diesem Moment mit dem Sonnenpriester sprach, während sie vor sich hin weinte. Nur am Rande bekam sie mit, dass es auch um sie ging. Sie erwähnte zum ersten Mal offen, dass sie wirklich da draußen sterben wollte, doch beide Priester widersprachen ihr. Vor allem der Sonnenpriester.

Wenn sie wirklich hätte sterben wollen, dann hätte sie nicht angefangen, sich zu wehren. Doch das wollte sie nicht wahrhaben und widersprach deshalb. Doch die Worte blieben in ihrem Inneren haften.

Als der Priester der Verlassenen sie schließlich hochhob und zu ihrem Lager trug, wehrte sie sich nicht. Dazu hatte sie nicht die Kraft. Nur am Rande bekam sie mit, wie der Sonnenpriester das Gasthaus verließ, ohne sich noch einmal umzudrehen. Dann schlief sie mithilfe der Fähigkeiten des Priesters der Verlassenen ein, anfangs widerwillig, aber der Schlaf war doch so willkommen.